Wessen Hand sie dann ergriffen hatte, den hielt sie fest, bis sie das erzählt hatte, was ihr heute morgen geschehen war. Es bereitete ihr Verlegenheit, es herauszubringen, aber gleichzeitig war sie doch so stolz darauf, daß sie es nicht verschweigen konnte.
Den Leuten fiel es sonst schwer, das Lachen zu verbeißen, wenn sie erzählte, was sie gesehen und geträumt hatte. Nun sollte man sich aber überzeugen, daß ihre prophetische Gabe etwas wert sei.
Als sie im Morgengrauen dalag, hatte ihr geträumt, daß ihre drei Ziegen droben im dichten Wald in die Irre gingen. Sie hatte sie so jämmerlich meckern hören, daß sie erwachte. Als sie nun nachsah, erblickte sie alle Ziegen in ihrer Hürde unten an der Tür, und sie hatte ja zuerst gedacht, dies sei nur ein gewöhnlicher Traum. Aber dann war eine Unruhe über sie gekommen: „Nein, nein, das ist ein bedeutungsvoller Traum,“ hatte sie zu sich selbst gesagt.
Damit war sie aufgestanden, hatte sich in Fellkleider gehüllt, hatte das Nebelhorn über die Schulter geworfen und war in den Wald hinaufgewandert. Sie war vom Wege abgewichen, war nach der Anweisung des Geistes gegangen und nahe daran gewesen, sich im Dickicht zu verirren. Sie lachte leise, als sie das erzählte. Ob sie wüßten, was das wäre, im dichten Walde vom Wege abzukommen? Grundloser Boden, der bei keiner Kälte zufröre, Gestrüpp, das jeden leeren Raum zwischen den Stämmen ausfülle, Schneehaufen und Wurzeln und stechende Dornen und umgestürzte Bäume, so sei es oben im Wald.
„Aber dort oben fand ich drei wilde Böcke,“ sagte sie. „Kommt und seht, was ich dort fand.“ Sie führte ihren Gast die Reihen der Tanzenden entlang zu dem Bette hin, das mauerfest und durch Türen geschützt war. Sie öffnete die Türe, leuchtete mit einem Kienspan hinein, und da sah man drinnen drei Männer liegen. Sie waren alle in zerrissenen Fetzen; so abgemagert waren sie, daß die Backenknochen schwarze Schatten auf ihre Wangen warfen, aber ihre Züge waren kühn und schön. Sie schliefen so fest, daß weder der Tanz, noch Toras Vorzeigen sie wecken konnte.
„Das sind meine drei wilden Böcke, die ich im Dickicht gefunden habe,“ sagte sie. „Es sind drei arme Gesellen, die sich im tiefen Walde verirrt haben und dort acht Tage umhergewandert sind. Wäre ich nicht gekommen, so wären sie jetzt tot. Den ganzen Tag habe ich Essen für sie gekocht, und jetzt schlafen sie. Seht, wie sie schlafen.“
„Es ist Gottes Gnade, die dich sie retten ließ, Tora,“ sagten ihre Gäste.
„Gott wollte, daß ich nicht allezeit zum Gespött sein sollte,“ sagte das Weib.
So verstrich der Abend. Als aber die Schlafenszeit herankam, da wurde die Freude unterbrochen. Die Tür wurde mit Macht aufgestoßen, und ein langer, großer Mann kam herein. Er durchbrach den Kreis der Tanzenden, stellte sich mitten in den Raum und erhob die Hand.
Das war der Pfarrer, Herr Ane, und er kam, um den Tanz in der Sonntagsnacht zu verbieten. Er hatte an diesem Tage in der Kirche gestanden und leeren Wänden gepredigt. Er hatte geglaubt, Krieg und Pest müßten alle Menschen dahingerafft haben, aber nein, hier waren sie, hier in der Spielhütte waren sie zu finden. Und der Pfarrer verkündigte Buße und Kirchenstrafe über sie alle.