Sie hatte es mit einemmal so eilig, daß sie sogleich aus der Kirche hasten wollte. Sie mußte heim und ihr Buch schreiben, ihr herrliches Buch von dem Gott des Friedens und der Liebe.
Nichts weiter, was jetzt erwähnenswert scheinen kann, widerfuhr Mamsell Friederike vor der Neujahrsnacht. Leben und Tod, so wie Tag und Nacht, herrschten in der letzten Woche des Jahres in stiller Eintracht über die Erde. Aber als die Neujahrsnacht kam, da nahm der Tod das Zepter und verkündete, daß die alte Mamsell Friederike nun ihm angehören solle.
Hätte man dies nur gewußt, so hätte wohl alles Volk von Schweden ein gemeinsames Gebet an Gott gerichtet, seinen reinsten Geist, sein wärmstes Herz behalten zu dürfen. Da hätte man in Angst und Sorgen in so manchem Heim in fernen Ländern gewacht, wo sie liebende Herzen zurückließ. Dann hätten die Armen, die Kranken und Notleidenden ihre eigne Not vergessen, um der ihrigen zu gedenken, und dann hätten alle Kinder, die unter den Segnungen ihres Wirkens herangewachsen waren, die Hände gefaltet und um noch ein Jahr für ihre beste Freundin gebetet. Ein Jahr, damit sie ihrem Lebenswerk volle Klarheit gebe und es durch den Schlußstein kröne.
Denn der Tod kam zu früh für Mamsell Friederike.
Sturm war draußen in der Neujahrsnacht, Sturm in ihrem Innern. Sie fühlte alle Qualen des Lebens und des Todes in ihrem Innern ringen.
„Angst!“ seufzte sie, „Angst!“
Aber die Angst wich, und der Friede kam, und sie flüsterte leise: „Christi Liebe – beste Liebe – Gottesfriede – das ewige Licht!“
Ja, das war es nun, was sie in ihrem Buche hätte schreiben wollen, und vielleicht vieles andre ebenso Schöne und Herrliche. Wer weiß? Nur eines wissen wir, daß Bücher in Vergessenheit geraten, aber ein Leben wie das ihre vergißt man nie.
Die Augen der alten Seherin schlossen sich, und sie versank in Visionen.