[20
Die Wahrsagung]
Freitag, 22. April
Eines Nachts schlief der Junge auf einem der Holme des Tåkern, als das Geräusch von Ruderschlägen ihn weckte. Kaum hatte er die Augen aufgemacht und sie auf den See gerichtet, als ein starker Lichtschein aufflammte, der ihn beinahe blendete.
Zuerst konnte er nicht begreifen, was draußen auf dem See so hell leuchtete, bald aber sah er, daß am Schilfrand ein Kahn lag, in dessen Hintersteven eine große Pechfackel an einer eisernen Gabel brannte. Die roten Flammen der Fackel spiegelten sich deutlich in dem nachtschwarzen See, und der prächtige Schein mußte die Fische herbeigelockt haben, denn um die Flamme in der Tiefe herum zeigte sich eine Menge dunkler Striche, die sich beständig bewegten und den Platz wechselten.
In dem Kahn befanden sich zwei alte Männer. Der eine saß bei den Rudern, der andre stand auf dem hintern Brett und hielt einen kurzen, mit großen Widerhaken versehenen Spieß in der Hand. Der Mann, der die Ruder führte, schien ein armer Fischer zu sein. Er war klein, ausgemergelt und wettergebräunt und hatte einen dünnen abgetragenen Rock an. Offenbar war dieser Mann gewohnt, bei jedem Wetter draußen zu sein, und machte sich nichts aus der Kälte. Der andre war wohlgenährt und gut gekleidet und sah wie ein gebieterischer, selbstbewußter Bauer aus.
„Halt nun still!“ sagte der Bauer, als sie dicht bei dem Holm waren, wo der Junge lag. In demselben Augenblick stieß er den Spieß ins Wasser, und als er ihn wieder herauszog, kam ein langer, prächtiger Aal mit aus der Tiefe herauf.
„Ei sieh da!“ sagte der Bauer, während er den Aal von der Gabel losmachte, „das ist einer, der sich sehen lassen kann. Jetzt haben wir, glaub ich, genug und können umdrehen.“