Erst nach Mitternacht kehrte der Hund in das Gehege zurück; er wußte, da hatte der Elch ausgeschlafen und war bei seiner ersten Mahlzeit.

„Es ist gewiß recht vernünftig von dir, daß du dich so ruhig in dein Schicksal findest, Graufell,“ sagte Karr, der jetzt ganz beruhigt und vergnügt zu sein schien. „Du wirst in einem großen Garten eingesperrt werden und da ein sorgenfreies Leben haben. Aber weißt du, es wäre doch recht schade, wenn du von hier fortkämest, ohne vorher den Wald gesehen zu haben. Du weißt, deine Stammesgenossen haben den Wahlspruch: ‚Der Elch ist eins mit dem Walde‘, und du bist noch nicht einmal in einem Walde gewesen.“

Graufell hob den Kopf von dem Klee, an dem er eben kaute. „Ich möchte den Wald wohl gern sehen, aber wie soll ich über den Zaun kommen?“ sagte er mit seiner gewöhnlichen Trägheit.

„Nein, das ist wohl ganz unmöglich für einen, der so kurze Beine hat,“ sagte Karr.

Der Elch schielte zu Karr hinüber, der trotz seiner Kleinheit jeden Tag mehrere Male über den Zaun sprang. Er trat an den Zaun, machte einen Sprung – und war im Freien, beinahe ohne daß er wußte, wie es zugegangen war.

Nun wanderten die beiden in den Wald hinein. Es war eine wunderschöne mondhelle Sommernacht; aber drinnen unter den Bäumen war es dunkel, und der Elch ging mit vorsichtigen Schritten vorwärts.

„Es wäre vielleicht am besten, wenn wir umkehrten,“ sagte Karr. „Du bist ja noch nie in solch einem wilden Walde gegangen und könntest dir leicht ein Bein brechen.“

Da begann Graufell plötzlich rascher und kecker vorwärts zu gehen.

Karr führte den Elch in den Teil des Waldes, wo mächtige Tannen wuchsen, die so dicht standen, daß nie ein Windhauch hindurchdrang. „Hier pflegen deine Stammesgenossen vor Sturm und Kälte Schutz zu suchen,“ sagte Karr. „Und sie stehen hier den ganzen Winter hindurch unter freiem Himmel. Aber du bekommst es ja dort, wo du hinkommst, viel besser. Da hast du ein Dach über dem Kopf und stehst dann wie eine Kuh in einem Stalle.“