Nach diesen Worten ging er hastig davon. Der Student sah ihm nach und wollte ihn zurückrufen, besann sich dann aber anders und lenkte seine Schritte heimwärts.
Hier angekommen, zog er rasch seinen Werktagsanzug wieder an und eilte fort, nach den verlorenen Blättern zu suchen. Er suchte in den Straßen, auf den freien Plätzen und in den Gärten. Dann suchte er in den Höfen, ja er ging sogar weit vor die Stadt hinaus; aber er fand nicht ein einziges Blatt.
Nachdem er ein paar Stunden ununterbrochen gesucht hatte, war er so hungrig, daß er etwas essen mußte. In seinem gewohnten Gasthaus traf er wieder mit dem ewigen Studenten zusammen, der auch sogleich auf ihn zukam, um etwas über sein Buch zu erfahren.
„Ich werde heute abend zu dir kommen und mit dir darüber sprechen,“ sagte der Student ziemlich abweisend. Er wollte den Verlust des Manuskripts nicht gestehen, ehe er ganz sicher wäre, daß er es nicht wieder erlangen könnte.
Der andre erblaßte: „Vergiß nicht, daß du es vernichten mußt, wenn es nichts wert ist!“ sagte er im Fortgehen; denn jetzt war er vollkommen überzeugt, daß dem Studenten sein Buch ganz und gar nicht gefallen habe.
Der Student eilte wieder in die Stadt zurück und suchte ununterbrochen, bis es ganz dunkel war; aber nirgends war eine Spur von den verlorenen Blättern zu entdecken. Auf dem Rückweg nach seiner Wohnung traf er mit ein paar Kameraden zusammen.
„Wo hast denn du dich herumgetrieben; du bist ja nicht zum Maienfest gekommen?“ fragten sie.
„Ach, ist heute das Maienfest gewesen?“ rief der Student. „Das hatte ich ganz vergessen.“
Während er noch mit seinen Kameraden sprach, kam ein junges Mädchen, das der Student sehr lieb hatte, an der Gruppe vorüber. Sie sah ihn nicht an, sondern sprach mit einem andern Studenten, dem sie überaus freundlich zulächelte. Da fiel dem Studenten plötzlich etwas ein: Er hatte dieses junge Mädchen gebeten gehabt, doch ja gewiß zum Maienfest zu kommen, damit er mit ihr zusammen sein könnte; und nun hatte er selbst sich nicht eingefunden. Ach, was mochte sie von ihm denken!
Ein Stich ging ihm durchs Herz, und er wollte ihr nacheilen; aber da sagte einer von seinen Freunden: „Mit Stenberg, unserm guten Bücherwurm, scheint es schlecht zu stehen. Er ist heute nachmittag krank geworden.“