Jetzt erreichten Vater und Mutter den Brandplatz, und zuerst dachten sie nichts weiter, als wie hübsch alle die roten Wangen der Kinder auf dem grauen Berge aussähen. Aber dann gaben sie genau acht, wie die Kinder arbeiteten: die einen setzten die Pflänzchen ein, die andern zogen Furchen und säten Samen hinein, wieder andere rissen das Heidekraut heraus, damit es die jungen Bäumchen nicht ersticken sollte.

Sie sahen auch, wie eifrig und ernsthaft die Kinder es mit der Arbeit nahmen; sie hatten ja kaum Zeit, aufzuschauen.

Der Vater sah eine Weile zu, dann fing er auch an Heidekraut herauszureißen. Nur zum Scherze natürlich. Die Kinder waren die Lehrmeister, denn jetzt kannten sie die Kunst, und sie durften nun Vater und Mutter zeigen, wie man es machen mußte.

Schließlich nahmen dann auch alle die Erwachsenen, die heraufgekommen waren, nach den Kindern zu sehen, an der Arbeit teil. Da war es natürlich noch viel unterhaltender als vorher, und nach kurzer Zeit bekamen die Kinder noch mehr Hilfe.

Man brauchte nämlich noch mehr Handwerkszeug, und ein paar Jungen mit langen Beinen wurden nach Hacken und Spaten ins Dorf hinuntergeschickt. Als diese an den Häusern vorbeirannten, kamen die Bewohner heraus und fragten: „Was ist denn los? Ist ein Unglück geschehen?“

„Nein, nein, aber das ganze Dorf ist droben auf dem Brandplatz und hilft den Wald pflanzen.“

„Ei, wenn das ganze Dorf droben ist, dann wollen wir auch nicht daheimbleiben.“

So strömte alles auf den abgebrannten Berg hinauf. Zuerst blieben die Neuangekommenen ruhig stehen und schauten eine Weile zu; aber dann konnten sie es nicht lassen, sich an der Arbeit zu beteiligen. Denn es mochte wohl sehr vergnüglich sein, wenn der Bauer im Frühjahr seinen Acker bestellt und dabei an das Getreide denkt, das aus der Erde herauswachsen soll, aber dies war doch noch verlockender.

Hier sollten nicht nur schwache Halme aus dieser Saat aufgehen, sondern starke Bäume mit hohen Stämmen und mächtigen Zweigen. Hier handelte es sich nicht nur darum, die Ernte eines Sommers hervorzurufen, sondern Wachstum für viele Jahre. Das hier bedeutete so viel, wie Insektensummen, Drosselschlag und Auerhahnbalzen hervorzurufen und ungezähltes Leben auf dem Brandplatz zu wecken. Und dann war es auch wie ein Denkmal, das man für die kommenden Geschlechter errichtete. Bisher hätte man ihnen einen kahlen, nackten Berg als Erbe hinterlassen, jetzt aber sollten sie einen stolzen Wald dafür bekommen; und wenn die Nachkommen dies erkannten, dann verstanden sie sicher auch, daß ihre Vorfahren gute und kluge Leute gewesen waren, und darum würden sie mit Ehrerbietung und Dankbarkeit der Vorfahren gedenken.