Der Volksschullehrer erzählte, Nääs sei ein sehr altes Gut, sei aber früher nie etwas andres gewesen als ein großer, schöner Herrenhof, wie so viele andre auch, bis der alte Herr, dem er jetzt zu eigen gehöre, hierher gezogen sei. Dieser sei ein sehr reicher Mann, und die ersten Jahre seines Aufenthalts habe er nur darauf verwendet, das Schloß und den Park zu verschönern und die Häuser seiner Untergebenen zu verbessern.

Aber dann sei seine Frau gestorben, und da sie keine Kinder hätten, habe der alte Herr sich oft sehr einsam auf dem großen Gute gefühlt. Deshalb habe er einen jungen Neffen, den er sehr lieb hatte, überredet, zu ihm zu kommen und sich auf Nääs niederzulassen.

Von Anfang an war bestimmt gewesen, daß der junge Herr bei der Bewirtschaftung des Gutes Hand anlegen sollte; als er aber aus dieser Veranlassung bei den Untergebenen seines Oheims umherging und sah, welches Leben sie in ihren ärmlichen Hütten führten, kamen ihm allerlei wunderliche Gedanken. Es fiel ihm auf, daß sich in den meisten dieser Wohnungen an den langen Winterabenden weder Männer noch Kinder, ja oft nicht einmal die Frauen mit irgendeiner Handarbeit beschäftigten. In den frühern Zeiten hatten die Leute ihre Hände fleißig rühren müssen zur Herstellung ihrer Kleider und ihres Hausgeräts, aber jetzt, wo man alle diese Dinge kaufen konnte, hatte diese Art von Arbeit aufgehört. Und da glaubte der junge Herr zu sehen, daß in den Häusern, wo man dieses häusliche Gewerbe aufgegeben hatte, sich auch das häusliche Behagen und der häusliche Wohlstand verabschiedet habe.

Ein einzelnes Mal kam er doch auch in ein Haus, wo der Vater Tische und Stühle zusammenzimmerte und die Mutter webte; und soviel war sicher, diese Leute waren nicht nur wohlhabender, sondern auch glücklicher als die in den andern Häusern.

Der junge Herr sprach mit seinem Oheim, und der alte Herr sah ein, welch ein großes Glück es wäre, wenn sich die Leute in ihrer freien Zeit mit irgendeiner Handarbeit beschäftigen würden. Um aber dies zu erreichen, müßten sie ohne Zweifel von Kind auf gelehrt werden, die Hände zu gebrauchen. Die beiden Herren meinten, zur Erreichung dieses Zieles könnten sie nichts Besseres tun, als eine Slöjdschule für Kinder einzurichten. Die Kinder sollten da lernen, einfache Geräte aus Holz herzustellen, denn, meinten die beiden Herren, diese Art Arbeit werde allen am leichtesten fallen. Sie waren überzeugt, wer von den Leuten einmal gelernt hätte, das Messer ordentlich zu gebrauchen, werde dann später leicht lernen, auch den großen Schmiedehammer und den kleinen Schuhmacherhammer zu führen. Wessen Hand aber von Kindheit auf an nichts gewöhnt sei, werde vielleicht niemals darauf kommen, daß der Mensch darin ein Werkzeug besitzt, das mehr wert ist als alle andern.

Sie hatten also angefangen, Kinder im Handslöjd auf Nääs zu unterrichten, und bald sahen sie, wie nützlich und gut es für die Kleinen war, so nützlich und gut, daß sie nur wünschten, alle Kinder in ganz Schweden könnten einen ähnlichen Unterricht bekommen.

Aber wie sollte das ausführbar sein? Ringsum in ganz Schweden wuchsen ja viele hunderttausend Kinder heran; diese konnten doch nicht alle auf Nääs versammelt werden, um da Slöjdunterricht zu bekommen? Das war ganz und gar unmöglich.

Da kam der junge Herr mit einem neuen Vorschlag. Wie, wenn man, anstatt die Kinder zu unterrichten, ein Slöjdseminar für deren Lehrer einrichten würde? Wie, wenn die Lehrer und Lehrerinnen vom ganzen Lande in Nääs zusammenkämen, da Slöjd lernten und nachher mit allen den Kindern, die sie in ihren Schulen hatten, Slöjd treiben würden? Auf diese Weise gelänge es schließlich vielleicht doch, daß bei allen Kindern die Hände ebenso geübt würden wie das Gehirn.

Als dieser Gedanke in den Herzen der beiden Herren einmal Wurzel geschlagen hatte, ließ er sie nicht mehr los, und sie suchten ihn zu verwirklichen.

Die beiden Herren halfen einander treulich. Der alte Herr baute Arbeitssäle, Versammlungshäuser, den Turnsaal und sorgte für Wohnung und Unterhalt der Neuankommenden. Der junge Herr wurde der Vorsteher des Seminars; er arbeitete den Unterrichtsplan aus, überwachte die Arbeit und hielt Vorträge. Und damit noch nicht genug: er lebte auch beständig mit den Schülern zusammen, machte sich mit den Verhältnissen des einzelnen bekannt und wurde ihnen ein aufrichtiger, treuer Freund.