Frau Meister: Oder beides.
Gretchen: Bitte, liebe Mama, würdest Du nicht die Güte haben, uns mehr davon zu erzählen?
Bella: O, tun Sie es, Frau Meister, ich bitte [reizend].
Frau Meister: Ich werde Euern Wunsch erfüllen, um so lieber, da es sogar meine Pflicht ist. Nur bitte ich um Eure Geduld und auch um die Ihrige, meine Herren, wenn ich mehr Zeit gebrauchen werde, als Sie jetzt denken.
Martha: Wir wollen uns näher zu Mama setzen; [rücken] Sie näher, Herr Otto und Herr Louis.
Frau Meister: Es war im Sommer 18 .... Staub und Hitze hatten viele Leute aus der geräuschvollen Stadt auf das Land getrieben; auch unsere Familie hatte ihren Landsitz bezogen. Hohe, grüne Berge ringsum, schattiger Wald, ein lustig rinnender Bach, ein fischreicher See, und, soweit das Auge reichen konnte, eine herrliche Landschaft, ein weites, geräumiges [Sommerhaus] mit einem schönen Garten — das alles hatten wir, und das war genug, uns glücklich zu machen.
Vater und Mutter waren in diesem Sommer besonders glücklich; denn Martha, ihre älteste Tochter, lebte nun nach ihrem Wunsche und war heiterer geworden, als sie sonst war. Sie war nicht mehr so oft allein, sondern ging in Gesellschaften und nahm oft teil an den [Spaziergängen] und [Ausflügen].
Sie war sonst immer gut, war gehorsam und liebevoll gegen die Eltern, sorgsam für ihre jungen Geschwister und freundlich gegen alle, so daß man von allen, die sie kannten, nur eines hörte: Sie ist schön und lieb, wie ein Engel; wie schade, daß sie selbst nicht ganz glücklich ist!
Und alle dachten und fragten oft: Was mag es wohl sein, daß sie so traurig ist, daß sie oft so melancholisch aus ihren schönen, großen Augen sieht?
Alles dieses war aber in jenem Sommer ganz anders. Martha war heiter, so heiter, wie alle anderen jungen Leute der Gesellschaft.