Wohl versuchte ich gut zu machen, soviel ich konnte; darum lehrte ich die jungen Mädchen, und manches gute Samen-Korn habe ich gesäet.

Die gute Schwester weinte, und ich wollte sie [trösten] und sagte: Hast Du nicht dadurch viel Gutes gegründet?

Ja, sagte sie, das habe ich allerdings, und mein Trost ist auch, das Du glücklich bist, teure Schwester; und nun versprich mir hier, daß Du auch ferner ein wahres, gutes Weib sein willst Deinem Gatten, wie Du es bis heute warst; daß Du eine treue Mutter sein willst Deinen Kindern, daß sie Dich so lieben wie eine Freundin, so daß Deine Töchter Dir alles, alles vertrauen; daß sie nichts und niemals etwas geheim halten vor Dir. Lehre sie, daß das Haus ein Heiligtum sei und das Weib die Hüterin; denn der Mann geht in die Welt und sieht so viel des Bösen und wird oft so verwirrt; sage es ihnen doch, daß es des Weibes Pflicht ist, ihn zu [läutern] vom Schlechten und ihn zu erheben vom Gemeinen und ihn zu stärken zum Guten.

Lehre sie ihr Haus angenehm machen, daß jeder es gern betrete.

Lehre sie, daß des Weibes Mission hoch und heilig ist. — Meine Stimme wird schwach, — und nun versprich mir, Deinen Töchtern einst meine Geschichte zu erzählen; und nun laß' — sieh', wie die Sonne schon sinkt, — laß' uns beten. —

Ich sank neben ihrem Bette auf die Kniee und wir beteten; ich hörte ihr Amen und dann einen leichten Seufzer; ich sah auf zu ihr, ihr Auge war [geschlossen], sie schlief. —

Wochen waren vergangen, — da legte ich Blumen auf ihr Grab. Ohnmächtig hatte man mich von ihrem Bette nach meinem Hause getragen; ich verfiel in eine schwere Krankheit. Im Fieber sprach ich allein von ihr, meiner teuern, [seligen] Schwester. Ich habe mich bemüht, ihre letzten Worte zu erfüllen. — Nun habe ich Euch auch ihre Lebens-Geschichte erzählt; und ob es mir wohl geglückt ist, Euch, liebe Kinder, eine Mutter zu werden, wie sie es gewollt?

Martha: O Mama, teuerste, liebste Mama!

Gretchen: Wie kannst Du nur so fragen, Mama?

Frau Meister: Mein Gatte, meine Freunde können die Antwort geben.