Bella: Verzeihung, Frau Meister. Aber was ist aus dem jungen deutschen Herrn geworden?

Frau Meister: Das kann ich in wenigen Worten sagen.

Eines Morgens kam sein Freund zu mir. Er war bleich und [war kaum im Stande], zu sprechen. — Sehen Sie hier, mein Fräulein. Lesen Sie, sagte er mit bebender Stimme; und ich las:

»Teurer Wilhelm! Lange waren wir treue Freunde, und kein Tag fand uns getrennt. Vergieb mir, wenn ich dich heute verlassen habe; denn ich muß fort, fort in die weite Welt und muß allein sein mit mir. Ich muß versuchen, ob ich nicht dieses Herz stillen kann, denn mir ist gar weh. — O, sie hätte so glücklich werden können, — und sie ist es jetzt nicht; glaube mir. Ich aber will kämpfen wie ein Mann. Arbeit wird mich heilen; in Taten werde ich Vergessenheit suchen und finden. Und hörst du einstmals meinen Namen nennen und hörst du, daß ich großes getan, dann wisse, es war ihr Bild, das mir [vorschwebte], ihr Bild, das mich begeistert hat.

Lebe wohl, ich bleibe ewig

Dein treuer Freund
Gustav von Halsen.«

Seitdem haben wir nie mehr von ihm gehört.

Louis: Aber der andere? Der Freund, Frau Meister, der Ihnen den Brief brachte?

Frau Meister: Sitzt jetzt in jenem Zimmer, sehen Sie, dort.

Gretchen: Was? Jetzt? Bei Papa?