Das Sieges-Fest dauerte noch zwölf Tage, und Siegfried sah nun jeden Tag Krimhilde. Dann wollte er zurückkehren nach Xanten. — Jung Gieselher aber bat ihn zu bleiben, und so blieb er.
Auf der Insel Island lebte Brunhilde, die Königin. Weit und breit sprach man von ihrer Schönheit und von ihrer Kraft. Sie konnte Speere werfen, Steine [schleudern] und springen, besser, als mancher Ritter; — und nur einem solchen Ritter wollte sie Herz und Hand schenken, der sie in diesen drei Dingen überbieten konnte. Viele der tapfersten Ritter waren schon gekommen und — gefallen.
Siegfried kannte Brunhilde, und endlich hörte auch Gunther von ihr und sagte: Ich gehe an die See zu Brunhilde.
Thue es nicht, sprach Siegfried, du könntest die Reise mit Leib und Leben bezahlen.
Aber Gunther sprach: Kein Weib ist so stark, daß ich sie nicht leicht [überwinden] könnte.
Du kennst Brunhilde nicht, sprach Siegfried; und ich rate dir nochmals: Geh' nicht nach Island!
Ich gehe, sprach Gunther, und koste es mein Leben; und du magst mit mir gehen; mit deiner Hülfe besiege ich sie gewiß.
Sie gingen: Gunther und Siegfried, Hagen und viele andere tapfere Ritter. Am Fenster standen die Frauen und weinten. Siegfried stieß vom Lande ab und lenkte das Schiff.
Am zwölften Morgen ihrer Reise sahen sie ein Land mit Burgen und Palästen. Da sprach Gunther: Nie habe ich solche Burgen gesehen. Der Herr dieses Landes muß gar mächtig sein.