Brunhilde ist die Herrin dieses Landes, erwiderte Siegfried, und diese Burg vor uns ist Brunhildens [Wohnsitz], die Isenburg.

Sie landeten und bestiegen die Pferde. Siegfried hielt Gunthers [Steig-Bügel], damit Brunhilde glauben sollte, Siegfried sei Gunthers Vasall. So hatten sie es [verabredet], als sie noch im Schiffe waren.

Gunther und Siegfried waren weiß gekleidet und saßen auf weißen Pferden; alle anderen waren schwarz gekleidet und saßen auf schwarzen Pferden. So ritten sie auf die Burg zu. Diese war aus grünem Marmor gebaut, hatte sechs und achtzig Türme und [umfaßte] drei Paläste.

Brunhilde war glücklich, als sie Siegfried sah; sie eilte ihm entgegen und rief:

Willkommen, Siegfried, in meinem Land; ich möchte wohl hören, warum du kommst.

Besten Dank für diesen Gruß, sprach Siegfried; doch, ihr solltet Gunther grüßen; er ist König am Rhein und er ist mein Herr. Er — dein Herr? sprach Brunhilde; — und was will er von mir?

Ich kam um deiner Schönheit willen, sprach Gunther, und deine Liebe will ich gewinnen.

So laßt uns gleich den Kampf beginnen, sprach Brunhilde, und legte ihren goldenen Panzer an.

Siegfried aber ging zum Schiffe, setzte die Tarn-Kappe auf und kam zurück — ungesehen.

Man zog einen großen Kreis. In diesem Kreise sollte der Kampf stattfinden. — Da stand Brunhilde; ihre Rüstung glitzerte von Gold und von Edel-Gestein, doch mehr als alles glänzte ihre Schönheit.