Da brachten vier Diener Brunhildens Schild; der war groß und dick und schwer; und Hagen sprach zum König:

Wie nun, König Gunther? [es geht an Leben und Leib]! — Das ist ein teuflisches Weib!

Dann brachten vier Ritter ihren Speer; der [wog] hundert Pfund.

O, wär' ich zu Hause! dachte Gunther.

Da brachten zwölf Ritter einen Stein, rund und breit; und Hagen rief laut:

Des Teufels Braut in der Hölle sollte sie sein, aber nicht meines Königs.

Siegfried aber, unsichtbar durch seine Tarn-Kappe, trat an Gunther hinan, berührte ihn und sprach leise:

Fürchte nichts, Gunther; ich helfe dir; gieb mir den Schild; mache du selbst nur die [Geberden] und Bewegungen, während ich gegen sie kämpfe.

Jetzt wickelte Brunhilde den Ärmel auf, und ihr schneeweißer Arm wurde sichtbar. Sie [ergriff] den Speer und [schwang] ihn mit Macht durch die Luft und warf ihn nach ihres [Gegners] Schild. Das Feuer sprang vom Stahle. Siegfried [strauchelte] und fiel; schnell aber stand er wieder und faßte den Speer und warf ihn zurück auf Brunhildens Schild, daß die Funken flogen und Brunhilde zu Boden sank. Dank euch, König Gunther, rief sie, sprang auf, nahm den Stein, schleuderte ihn hoch in die Luft und sprang selbst darüber hinweg. Doch Siegfried nahm den Stein und warf ihn noch höher, nahm Gunther in den Arm und sprang noch höher und weiter.

Brunhilde staunte über solche Kraft und war bitter, denn sie war besiegt zum ersten Mal, besiegt von Gunther, — so glaubte sie nämlich.