Ja, wenn es Siegfried gewesen wäre, dachte sie, wie froh wäre ich dann! Wie gerne hätte sie ihm den Sieg [gegönnt]. Aber da sie nun Gunther folgen sollte, sagte sie: Nein, ich kann noch nicht, ich muß erst meine Freunde sehen.
Und sie schickte Boten nach allen Seiten, daß die Ritter ihres Landes kämen.
Das bedeutet nichts Gutes, sprach Hagen; die Königin will uns nicht folgen; den Krieg will sie mit uns. Warum läßt sie sonst diese Ritter kommen?
Da kann ich helfen, sprach Siegfried; ich gehe und komme bald zurück mit tausend starken Helden.
Bleib nicht zu lange, sprach Gunther; und Siegfried [zog ab].
In einem Schifflein zog er durch das Meer; und das Schifflein flog wie der Wind. Aber den Schiffer konnte niemand sehen; Siegfried segelte in seiner Tarn-Kappe. — Nach einem Tage und einer Nacht kam er in das Nibelungen-Land.
Dort stand eine einsame Burg auf einem hohen Berge. [Dahin lenkte Siegfried seine Schritte] und klopfte dort an eine Thür. Innen schlief ein Riese; der bewachte die Thüre, und neben ihm lagen seine Waffen.
Wer [pocht]? rief der Riese.
Ein Ritter! antwortete Siegfried. Öffne!
Der Riese stand auf, zog seine Rüstung an, [hob] den Helm auf seinen Kopf, öffnete die Thür und schlug mit einer [Eisen-Stange] nach Siegfried.