Was braucht ihr zu fürchten? sagte Hagen listig. Siegfried kann im Kriege nicht fallen. Ist er nicht unverwundbar?
Ach ja, erwiederte ängstlich Krimhilde, — als er den Lind-Drachen tötete, da badete er im heißen Blute, und seine Haut wurde hart wie Horn.
Und was fürchtest du nun? fragte Hagen.
Aber ein Linden-Blatt fiel auf seine linke Schulter; dahin drang kein Blut, und hier ist er leicht zu verwunden. Darum fürchte ich.
Da sprach der Falsche froh: Es ist wahrlich gut, daß ihr mir das sagtet. Nähet ein kleines Kreuz auf sein Gewand, genau über jene [Stelle], damit ich ihn beschützen kann.
Das will ich, sagte Krimhilde froh. — Dank, edler Freund! Tausend Dank!
Hagen ging. Er wußte genug. Der Kriegs-Zug war nun nicht mehr nötig und anstatt des Krieges [veranstaltete] man eine Jagd.
O, [geh'][IV-2] nicht zur Jagd, sprach Krimhilde, als Siegfried von ihr Abschied nahm. O geh' nicht; ich fürchte, du möchtest nimmer wiederkehren.
Ich komme bald zu dir zurück; — und was könnte mir geschehen! Bin ich denn nicht unter Freunden?
O geh' nicht, bat sie, denn ein Traum hat mich gewarnt. Zwei wilde Schweine verfolgten dich über eine Heide, und alle Blumen waren rot von Blut. —