Bella: Und Gretchen auch.
Martha Meister: Gewiß, Gretchen kommt. Aber, — wo ist Schwester Gretchen?
Bella: Sie ist da, — in ihrem Zimmer. Pst! Hören Sie! Sie liest ihrer Mutter vor! Hören Sie:
Wenn der Frühling auf die Berge [steigt]
Und im [Sonnenstrahl] der Schnee [zerfließt],
Wenn das erste Grün am Baum sich zeigt
Und im Gras das erste Blümlein [sprießt] —
Wenn vorbei im Tal
Nun mit einemmal
Alle [Regenzeit] und [Winterqual],
[schallt] es von den Höh'n
Bis zum [Tale][I-2] weit:
O, wie wunderschön
Ist die [Frühlingszeit]!
Wenn am [Gletscher] heiß die Sonne [leckt],
Wenn die Quelle von den Bergen springt,
Alles rings mit jungem Grün sich deckt
Und das [Luftgetön] der Wälder klingt —
Lüfte [lind und lau]
Würzt die grüne [Au],
Und der Himmel lacht so rein und blau,
Schallt es von den Höh'n
Bis zum [Tale][I-3] weit:
O, wie wunderschön
Ist die [Frühlingszeit]!
Bella: Sie deklamiert schön, nicht wahr, Otto?
Otto: Sehr schön, in der Tat. — Ich glaube, das war ein Gedicht von Friedrich von Bodenstedt.
Bella: Gretchen kommt auch, das weiß ich. Aber wie ist es mit Ihrem Bruder, dem Herrn Doktor? Wollen Sie nicht mit ihm darüber sprechen?
Louis: O, Albert kommt, wenn ich ihn darum bitte; und der kann die Gesellschaft [unterhalten]. — O, der weiß Geschichten. Hören Sie nur! Gestern, vor Abend, sah er meine Pferde, und mein Nero ist, wie Sie wissen, mein bestes Pferd. — Albert, sagte ich, Albert, was denkst Du über meinen Nero? — Hat Feuer, nicht wahr? — Ja, ja, den kann Niemand reiten, außer mir. So? sagt Albert und lächelt und nimmt mir die [Zügel] aus der Hand. Ich wollte ihn warnen; aber denkt nur, — er sitzt schon auf. Nero [bäumt sich], schlägt aus; — aber mein Bruder [drückt] die Sporen fest in die Seiten, [lenkt] es und fliegt in wildem Galopp dahin. [Nimm Dich in Acht], rufe ich ihm nach; nimm dich in Acht! Aber lächelnd winkt er mir mit seiner Rechten, reitet meinen Nero nach rechts und nach links, ganz wie ich selbst. Dann steigt er ruhig ab und sagt zu mir, der ich verwundert dastehe: Ja, ja, mein Lieber; man muß die Tiere verstehen und studieren, so gut wie die Menschen.
Und hast Du die Tiere denn auch studiert? frage ich ihn, — und er nimmt mich am Arme und sagt: Komm mit mir dorthin, in jenen Busch; da können wir ruhen. Da will ich Dir etwas erzählen, das wird dir gefallen. — Wir taten so und Albert begann: