Honig? rief der Bär [erfreut]. — Nichts ist mir lieber, als Honig. O, gebet mir Honig!

Ist es wirklich wahr, sprach der Fuchs mit falscher Freude, esset ihr Honig so gern? Ei, davon kann ich euch geben. — Wisset, nicht weit von hier wohnt Rüsteviel, der Bauer; der hat Honig, — mehr, als ihr je gesehen.

So laß uns gehen, schrie der glückliche Bär und trabte voran, so schnell, wie er konnte.


Sie kamen auf Rüsteviels Hof. Das aber wußte der schlaue Fuchs, daß Rüsteviel auf seinem Hofe einen Baum spalten wollte und einen [Keil] hineingetrieben hatte. — An dem einen Ende war der Baum offen und in dem andern Ende steckte der Keil. — Den hungrigen Bären führte der Fuchs hierher und sagte [gar] freundlich zu ihm: Hier, teurer Oheim, möget ihr Honig essen. — Doch esset nicht zu viel! Das rate ich euch, — er ist gar süß.

Mit beiden Vorderfüßen [zugleich] sprang der Bär in die Spalte. Den Kopf steckte er bis über die Ohren hinein, nach Honig suchend.

Reineke aber war an dem andern Ende, [zog] mit aller Kraft an dem Keile; und [es gelang ihm] nach vieler [Mühe], den Keil zu [entfernen]. — Zusammen klappte der Baum, und Braun war gefangen.

Er schrie vor Schmerzen laut auf, bat den Fuchs um Hilfe. Der Fuchs aber lief und lachte und rief aus der Ferne: Wünsche guten Appetit, Herr Braun, guten Appetit!

Rüsteviel aber, geweckt durch das [Geschrei] des Bären, sprang aus dem Bette und nahm seine Axt und eilte auf den Hof. Da sah er den Bären und weckte alle Nachbarn.

Sie kamen [eilends] herbei; die Männer mit Stöcken und die Frauen mit [Besen] und alle schlugen auf den gefangenen Bären.