Dr. Albert: Darüber habe ich noch niemals nachgedacht.
Bella: Soll ich es Ihnen sagen? Nun, der Mond muß ja ein Masculinum sein — denn er geht nachts alleine aus. Nicht lachen, meine Freunde, still sein; Otto, noch eine Parabel, ich bitte schön.
Otto: Einmal waren die Menschen recht schlecht auf Erden, da sandte Gott ein großes Wasser — die [Sündflut], und alle Menschen [kamen um], nur Noah nicht und seine Familie; sie wohnten in der Arche. Und als sie eine lange Zeit darin verbracht hatten, sandte Noah einen Raben aus, damit er sehe, ob die Wasser von der Erde verschwunden seien.
Bella: Entschuldigen Sie mich, Herr Otto, war es nicht eine Taube, welche er ausschickte[?][VI-3]
Otto: Später sandte er eine Taube, denn der Rabe war nicht wieder gekommen; er hatte nämlich auf Erden so viel Leichnam gefunden, daß er Noah, seinen Wohlthäter, vergaß. Aber die Strafe kam bald über den Undankbaren. Auf der Erde waren noch so viele schlechte [Dünste], und davon wurde der Rabe, welcher früher weiß war wie Schnee, ganz schwarz. Und so ist er noch heute; und wenn der Rabe seine Jungen sieht, so [schaudert] er vor der Häßlichkeit und wird hart gegen sie. Und noch heute sagen wir von Eltern, welche grausam gegen ihre Kinder sind, »seht die Raben-Eltern«.
Und nun werde ich Ihnen noch eine Parabel erzählen, das soll aber meine letzte sein:
Als Alexander der Große in Afrika war, kam er auch in ein Land, in dem die Leute so reich waren, daß sie ihm in silbernen Schalen goldene Früchte entgegenbrachten. Er aber sprach: Ich bin des Silbers und des Goldes wegen nicht in euer Land gekommen, eure Sitten will ich kennen lernen. Und da führte man ihn auf den Markt-Platz. Der König des Landes saß gerade auf seinem Throne, um Recht zu sprechen, und vor ihm standen zwei Männer. Da sprach der eine derselben: Von diesem Manne hier habe ich einen Sack mit [Spreu] gekauft und als ich den Sack öffnete, fand ich diesen großen [Klumpen] Gold in demselben — nun aber will dieser Mann ihn nicht zurücknehmen. Nein, sagte der andere, ich will ihn nicht zurücknehmen, denn es wäre nicht recht; ich verkaufte ihm den Sack mit allem, was darin wäre.
Der König hatte beide gehört. Dann sann er eine Weile und sprach zu dem einen: Hast du nicht einen Sohn? Ja, mein König. — Und jener hat, wie ich weiß, eine Tochter. Wohlan, da ihr beide [rechtschaffene] Männer seid, so verheiratet euere Kinder und gebet ihnen das Gold. — Beide Männer gingen befriedigt von dannen, Alexander aber war sehr verwundert. Als der König das sah, fragte er: Sage mir, fremder König, war mein Urteil nicht gerecht? Wie würde man denn in deinem Lande gehandelt haben?
In meinem Lande, erwiderte Alexander, würde der Richter beide [enthauptet] und das Gold für sich selbst genommen haben. — O, o! rief da der König, und läßt Gott die Sonne in jenem Lande scheinen? — Ja —. Und läßt er regnen? — Ja —. Wohl, versetzte der König, so ist es der [unschuldigen] Kinder und der dummen Tiere wegen. — So, Fräulein Bella, jetzt bin ich zu Ende. —
Bella: Dank, besten Dank, Herr Otto. — Wie gefallen Ihnen diese Parabeln, Herr Louis?