Zweite Scene.

Rudolf —[VIII-8] Arthur.

Rudolf: Sage, was du willst, Arthur — es hilft nichts, gar nichts. Es ist das Beste, man nimmt das Leben leicht. Ich habe es versucht, war ernst — was war die Folge? Konnte während der ganzen Nacht kein Auge schließen. In der unbehaglichsten [Stimmung] verlasse ich endlich heute früh mein Zimmer, um im Freien Trost, Zerstreuung zu suchen, und nehme gerade, als ich dort auf der Brücke stehe, meine beste Trösterin, meine Cigarre, aus der Tasche, mache Feuer und stecke in Gedanken — das Feuer statt der Cigarre in den Mund. Nicht allein, daß ich vor Schmerz laut aufschreien mochte, — von den Fenstern des Hotels muß ich noch das laute Gelächter dazu vernehmen. Mein Gesicht muß im Momente wohl recht komisch gewesen sein, ich hätte gerne selber mitgelacht, wenn es nur nicht meiner Zunge begegnet wäre. [ärgerlich] eile ich zurück zum Hotel, will auf mein Zimmer gehen, öffne die Thüre und — denke dir mein freudiges Erstaunen: wahrhaftig —, da sitzt sie am Fenster und sieht auf die Berge hinaus. Aha, denke ich, sie hört mich nicht, ich will sie überraschen — und leise, ganz leise von hinten komme ich näher, näher, und schnell lege ich meine Hände auf ihre Augen. Na — die Überraschung! Wie von einer Viper gestochen, springt sie auf vom Stuhle und schreit Feuer! Mörder! — Himmel, jetzt erst sehe ich, daß es gar nicht meine Frau, — daß es eine alte Dame in einer kolossalen Nacht-[Haube] ist. Ich sehe mich um — das war ja gar nicht mein Zimmer — ich will ihr erklären, sie läßt mir keine Zeit und schreit in einem fort: Feuer! Räuber! Mörder! — Ich höre die Leute auf dem Korridor rennen und denke das Beste sei fortzueilen. Ich thue also und komme glücklich eine Treppe höher wieder in mein eignes Zimmer.

So begann der zweite Tag dieser allerliebsten Hochzeits-Reise.

Arthur: Und was ist aus deiner jungen Frau geworden?

Rudolf: Ach, frage mich nicht — das ist eine ganz fatale Geschichte!

Arthur: Also — in dem Punkte scheinst du doch ernst zu werden.

Rudolf: Nun, denkst du vielleicht, es sei ein [Spaß], eine Frau zu haben und doch keine zu haben, oder stundenlang vor der Thüre seiner [Angetrauten] vergebens zu stehen und auf alles Klopfen, Bitten, Beschwören, Drohen keine andere Antwort zu hören, als Seufzen und Schluchzen und Weinen? — O, laß mich nicht mehr daran denken, es macht mich [rasend].

Arthur: Still, Rudolf — was willst du von mir, ich habe dir ja kein Leid [zugefügt].

Rudolf: Du? — nein, das ist wahr.