Martha Meister: Ich danke Ihnen. — Wissen Sie, Herr Doktor, daß ich noch keine Bibliothek gesehen habe, die so schön gebaut und [eingerichtet] war, wie die Ihrige?
Dr. Albert: Es macht mich glücklich, daß meine Bibliothek Ihren vollen [Beifall] hat, besonders, weil sie ganz mein Werk ist, das heißt, nach meinem Plane gebaut wurde.
Martha Meister: Aber ich dachte, dieser Teil Ihres Hauses wäre erst vor einem Monate beendet worden und vor Ihrer [Rückkehr].
Dr. Albert: So ist es. Ich werde Ihnen das erklären: Vor etwa einem Jahre schrieb mein Vater nach Berlin unter anderm: .... »und nun habe ich Dir auch zu schreiben, daß wir, sobald das Wetter besser wird, die Seite unseres Hauses niederreißen werden, die nach dem Garten zu liegt, um sie schöner und größer aufzubauen.
Du hast auf Deiner Reise durch Europa gewiß schöne Privat-Bibliotheken gesehen; — und ich würde Dir dankbar sein, wenn Du mir helfen wolltest. Du könntest mir nämlich den Plan zu einer Bibliothek schicken, die nicht zu groß und auch nicht zu klein ist.
Du weißt, ich liebe den Komfort; und finde ich dann etwas in Deinem Plane, was ich gebrauchen kann, so werde ich es gewiß nehmen u.s.w., u.s.w.«
Darauf antwortete ich meinem Vater: Wenn ich eine Bibliothek bauen dürfte nach meinem Willen, dann müßte sie lang sein, wie ein Saal; denn ich selbst gehe gern während der Arbeit auf und ab; — dazu aber brauche ich Raum; — und ich höre dann gerne meinen eigenen [Schritt]; — daher wäre es am besten, wenn der [Fußboden] mit weißen Marmor-Platten bedeckt würde. — Die Halle dürfte nur ein [Stockwerk] hoch sein, denn ich höre nicht gern den [Tritt] von Anderen über mir, wenn ich denke.
Die Decke sei [gewölbt] und von Glas, um das Licht von oben fallen zu lassen. — Das Ende der Halle, dem Eingange gegenüber, sei ein Halbrund; auch hier sei die Decke gewölbt, — aber nicht von Glas, — blau gemalt mit goldenen Sternen.
Rechts und links an beiden Seiten seien Fenster von buntem Glas. — Auch eine Nische würde ich haben zu meiner Rechten; — dahin würde ich eine Marmor-Statue, z.B. eine Kopie der Venus von Medici stellen, zu meiner Linken sollte der [Stahlstich] einer Madonna von Raphael sein.
Durch einen Vorhang von schwerem Damast würde ich dann diese Rotunde trennen von dem Haupt-Teile der Halle. — Eine Doppel-Thüre aber würde ich haben am anderen Ende der Rotunde, dem Vorhang gegenüber. — Diese Thüre müßte in ein kleines Blumen-Haus führen, das gefüllt wäre mit tropischen [Gewächsen]; von hier aus könnte man dann in den Garten gehen.