Herr Meister: Ich meine, der [Sängerkrieg] auf der Wartburg hätte großes Interesse für uns alle, Herr Doktor.
Dr. Albert: Sehr wohl.
Bella: Entschuldigen Sie, Herr Doktor. Ist das dieselbe Wartburg, über welche Sie einmal an Louis geschrieben haben? —
Dr. Albert: Es ist dieselbe, mein Fräulein. Das Schönste, was Sie sehen können in dieser alten Burg, das ist der Saal.
Vor mehr als sechshundert Jahren, im Jahre 1207, waren hier sechs der größten Sänger und Poeten Deutschlands versammelt, um vor dem [Landgrafen] und der [Landgräfin], vor den Rittern und den schönen [Ritterfrauen] und Fräulein um den höchsten Preis zu ringen durch ihre Kunst in Poesie und Gesang.
Mit den schönsten Worten, mit den lieblichsten Tönen, mit der höchsten Begeisterung sang einer nach dem andern zum Preise der Religion, der Frauen und der Fürsten.
Heinrich von Ofterdingen, der [geschickteste] von allen, sang aber allein gegen die übrigen fünf; er [pries] den Herzog Leopold von Österreich; — und die fünf anderen: Heinrich der tugendsame Schreiber, Walther von der Vogelweide, Reinmar der Alte, Bitterolf und Wolfram von Eschenbach lobten den [Landgrafen].
Und da sie alle vollendet hatten, wußte man nicht, welcher Partei man den Preis zukommen lassen sollte, ob den fünf Sängern, ob Heinrich von Ofterdingen.
[Man konnte zu keiner Entscheidung kommen], und die Erbitterung war so groß geworden, daß man zuletzt beschloß, das Loos sollte entscheiden, wer Sieger sei; der Besiegte aber sollte sterben, und dieses Loos traf Heinrich von Ofterdingen; und als die erbitterten Sänger ihn [ergreifen] wollten, [floh] er aus ihrer Mitte zum Ende der Halle zur [Landgräfin] und fiel ihr zu Füßen und bat um ihren [Schutz].