Herr Meister: Luise, Königin von Preußen.

Bella: Den Namen will ich mir aufschreiben.

Herr Meister: Thun Sie das. Königin Luise — o, was für ein Weib war sie! In ihrer Zeit war Napoleon Herr in Europa, und Europa fühlte seine Hand, besonders aber Preußen und Preußens König. Da war diese Königin Luise, ein schwaches Weib, stärker als alle, weiser als alle. Sie war, wie ein strahlender (= scheinender) Stern in der Nacht. Ein helfender Engel war sie allen; ihrem Gemahl war sie stets zur Seite, im Kabinet und in der Schlacht (= Kampf). Wundern Sie sich, daß sie geliebt wurde vom deutschen Volke, daß das deutsche Volk noch heute sie verehrt, liebt und achtet? Wundern Sie sich, daß die Söhne von einer solchen Mutter gut und groß werden, wie Kaiser Wilhelm es ist?

Bella: Ist Kaiser Wilhelm ihr Sohn?

Herr Meister: Ja, Kaiser Wilhelm ist ihr Sohn. Kaiser Wilhelm ist heute mehr als achtzig Jahre alt, und noch denkt er, wie ein Kind mit liebevollem Herzen, an seine Mutter, und sagt, daß das Andenken (ich denke an) an seine große Mutter ihm Mut und Stärke gegeben in den schwersten Tagen seines Lebens. O, meine Freunde, in den Händen von guten Frauen liegt (= ist) oft das Wohl und Wehe von vielen, vielen Menschen. Unser größter Poet in der alten deutschen Litteratur sagt: »Die Frauen bringen den Menschen von der Hölle zum Himmel,« und Goethe endet sein großes Poem »Faust« mit den Worten:

»Das ewig Weibliche zieht uns hinan.«

»Das ewig Weibliche,« das ist: was ewig gut ist in dem Weibe, — und das ist es, was uns zum Guten bringt, zum Himmel, zu Gott.


Bella: Herr Meister, ich will »Faust« auch lesen, ich habe schon so viel davon (= von »Faust«) gehört.

Otto: Ich habe »Faust« gelesen.