Ein moderner Lyriker endlich, J. R. Becher, hat direkt die psychoanalytische Auffassung des Angsttraumes in Verse gebracht (Gedichte, Berlin 1912):
»Die Wünsche, die ich tags gedacht,
Sehnsüchte, die ich tags nicht stillen konnte,
werden die Ängste meiner Nacht.
Sie glühen Wahn,
den ich nicht fliehen kann,
daß ich in Feuer rings und Flammen steh’,
in der Geliebten meine Mutter seh’,
meinen Vater wie einen Fraß der Hunde . . .«
Die in der Angsttheorie angedeutete dynamische Auffassung, wonach das Unbefriedigte, Unterdrückte im Seelenleben sich im Traum durchzusetzen sucht, hat ebenso häufig poetischen wie erkenntnismäßigen Ausdruck gefunden. In Schillers »Wallenstein« ist die stolze Gräfin Terzky überzeugt, daß des Feldherrn Unternehmen glücken müsse und erstickt alle trüben Ahnungen im Entstehen: »Aber,« klagt sie, »wenn ich wachend sie bekämpft, sie fallen mein banges Herz in düstern Träumen an.« Ähnlich heißt es in Grillparzers bekannten Versen: