[(134)] Ich wiederhole hierüber, was ich an anderer Stelle (Die zukünftigen Chancen der psychoanalytischen Therapie, Zentralbl. f. Psychoanalyse I, Nr. 1/2, 1910) geäußert habe: »Vor einiger Zeit wurde es mir bekannt, daß ein uns ferner stehender Psychologe sich an einen von uns mit der Bemerkung gewendet, wir überschätzten doch gewiß die geheime sexuelle Bedeutung der Träume. Sein häufigster Traum sei, eine Stiege hinauf zu steigen, und da sei doch gewiß nichts Sexuelles dahinter. Durch diesen Einwand aufmerksam gemacht, haben wir dem Vorkommen von Stiegen, Treppen, Leitern im Traum Aufmerksamkeit geschenkt und konnten bald feststellen, daß die Stiege (und was ihr analog ist) ein sicheres Koitussymbol darstellt. Die Grundlage der Vergleichung ist nicht schwer aufzufinden; in rhythmischen Absätzen, unter zunehmender Atemnot kommt man auf eine Höhe und kann dann in ein paar raschen Sprüngen wieder unten sein. So findet sich der Rhythmus des Koitus im Stiegensteigen wieder. Vergessen wir nicht, den Sprachgebrauch heranzuziehen. Er zeigt uns, daß das »Steigen« ohne weiteres als Ersatzbezeichnung der sexuellen Aktion gebraucht wird. Man pflegt zu sagen, der Mann ist ein »Steiger«, »nachsteigen«. Im Französischen heißt die Stufe der Treppe la marche; »un vieux marcheur« deckt sich ganz mit unserem »ein alter Steiger«.«
[(135)] Vgl. im Zbl. für Ps.-A. II, 675 die Zeichnung einer 19 jährigen Manischen: ein Mann mit einer Schlange als Krawatte, die sich einem Mädchen entgegenwendet. Dazu die Geschichte »Der Schamhaftige« (Anthrop. VI, 334): In eine Badestube trat eine Dame ein und dort befand sich ein Herr, der kaum das Hemd anzulegen vermochte; er war sehr beschämt, deckte sich aber sofort den Hals mit dem Vorderteil des Hemdes zu und sagte: »Bitte um Verzeihung, bin ohne Krawatte.«
[(136)] Bei aller Verschiedenheit der Schernerschen Auffassung von der Traumsymbolik und der hier entwickelten, muß ich doch hervorheben, daß Scherner als der eigentliche Entdecker der Symbolik im Traume anerkannt werden sollte, und daß die Erfahrungen der Psychoanalyse sein für phantastisch gehaltenes vor rund 50 Jahren veröffentlichtes Buch nachträglich zu Ehren gebracht haben.
[(137)] Aus »Nachträge zur Traumdeutung«. Zentralblatt für Psychoanalyse I, Nr. 5/6, 1911.
[(138)] Vgl. ein solches Beispiel in der Mitteilung von Kirchgraber (Zentralbl. f. Ps.-A. III, 1912, p. 95). Von Stekel (Jahrbuch, Bd. I, p. 475) wird ein Traum mitgeteilt, in welchem der Hut mit schiefstehender Feder in der Mitte den (impotenten) Mann symbolisiert.
[(139)] Oder Kapelle = Vagina.
[(140)] Symbol des Koitus.
[(141)] Mons veneris.
[(142)] Crines pubis.
[(143)] Dämonen in Mänteln und Kapuzen sind nach der Aufklärung eines Fachmannes phallischer Natur.