[(220)] Vgl. Rank: Aktuelle Sexualregungen als Traumanlässe.

[(221)] In einem anderen Traume stellt dieselbe Frau in Anlehnung an die ihr bekannten geflügelten Phalloi der Antike das ganze männliche Genitale (inklusive Hoden) in der Vogelsprache dar: »Es haben mich Löwen und Tiger, auch wilde Schweine verfolgt, die mich fressen oder mit mir verkehren wollten. Ich flüchtete, um mich zu retten; dann waren auch ein Paar von den Bestien schon eingesperrt. Dann kam ich über einen Bergesabhang auf einen Hof, wo ich Vögel herumfliegen sah. Doch hatte ich schon einen schönen kleinen weißen Vogel im Käfig eingesperrt. Ich habe ihn herausgenommen, jedem gezeigt und gesagt, das ist mein eigener Vogel, den ich schon lange eingesperrt habe. Von den herumfliegenden Vögeln sind dann zwei vom Dach heruntergefallen; ich habe sie aufgefangen, aber sie waren schon ganz hin; da habe ich sie gedrückt und sie sind wieder lebendig geworden. Sie waren zusammengewachsen und es sind mir an ihnen eigentlich nur die schön gefärbten Flügel aufgefallen.« Die letzten Details (zusammengewachsen und nur die Flügel im Gegensatz zu dem anderen ganzen Vogel) weisen, wenn noch ein Zweifel bleiben könnte, unzweideutig auf das sexuelle Vorbild dieses Symbols hin.

[(222)] Vgl. Thyris’ Wunsch nach Fruchtbarkeit, der ihr Sexualverlangen ersetzt. Es sei hier nicht unerwähnt, daß die wirkliche Fruchtbarkeitsbedeutung in einer zweiten Version derselben Sage einen ganz anderen, in mehrfacher Hinsicht interessanten Ausdruck findet. Dort ist Thyri noch unvermählt und stellt ihrem Zukünftigen folgende Bedingung: er möge ein Haus bauen, wo vorher noch keines gestanden, dort die drei Nächte schlafen und darauf achten, was ihm träume. Er hat dann drei Träume von je drei Ochsen, wodurch Thyri über den Ausfall der nächsten drei Jahre unterrichtet, zur Vorsorge mit Getreidevorräten veranlaßt wird. Henzen, der hier mit Recht an die biblischen Träume des Pharao von den sieben fetten und sieben mageren Kühen erinnert, betont das »Zugrundeliegen alter indogermanischer Anschauung, welche die Zeugungskraft der Natur unter dem Bilde des Stieres und die Fruchtbarkeit der Erde unter dem der Kuh sich vorzustellen liebte« (vgl. Sanskrit gans = Kuh und Erde). So könnte auch dem Pharaotraum ein Wunsch nach menschlicher Fruchtbarkeit, eine Potenzphantasie zu grunde liegen. Die besonders geforderte Bedingung der Neuheit des Hauses und des Bauplatzes, die andere Male zu einem wahren Zeremoniell ausgestaltet erscheint (Unberührtheit des Lagers, des Bettzeugs, der Wäsche), könnte hier die Unberührtheit des Mädchens ersetzen. Noch heute herrscht übrigens der Glaube, daß der erste in einem neuen Milieu geträumte Traum in Erfüllung geht.

[(223)] Vgl. Psychopathologie des Alltagslebens. 1. Aufl., 1901 u. 1904, 4. Aufl., 1912.

[(224)] Vgl. über die Absicht beim Vergessen überhaupt meine kleine Abhandlung über den »psychischen Mechanismus der Vergeßlichkeit« in der Monatschrift für Psychiatrie und Neurologie, 1898. Dieselbe ist später in die »Psychopathologie des Alltagslebens« aufgenommen worden.

[(225)] Solche Korrekturen im Gebrauche fremder Sprachen sind in Träumen nicht selten, werden aber häufiger fremden Personen zugeschoben. Maury (p. 143) träumte einmal zur Zeit, da er Englisch lernte, daß er einer anderen Person die Mitteilung, er habe sie gestern besucht, mit den Worten machte: I called for you yesterday. Der andere erwiderte richtig: Es heißt: I called on you yesterday.

[(226)] E. Jones beschreibt den analogen, häufig vorkommenden Fall, daß während der Analyse eines Traumes ein zweiter derselben Nacht erinnert wird, der bis dahin vergessen war, ja nicht einmal vermutet wurde.

[(227)] Ich bin erst später darauf aufmerksam gemacht worden, daß Ed. von Hartmann in diesem psychologisch bedeutsamen Punkte die nämliche Anschauung vertritt: »Gelegentlich der Erörterung der Rolle des Unbewußten im künstlerischen Schaffen (Philos. d. Unbew. Bd. I., Abschn. B, Kap. V) hat Eduard von Hartmann das Gesetz der von unbewußten Zielvorstellungen geleiteten Ideenassoziation mit klaren Worten ausgesprochen, ohne sich jedoch der Tragweite dieses Gesetzes bewußt zu sein. Ihm ist es darum zu tun, zu erweisen, daß ›jede Kombination sinnlicher Vorstellungen, wenn sie nicht rein dem Zufall anheimgestellt wird, sondern zu einem bestimmten Ziele führen soll, der Hilfe des Unbewußten bedarf‹ und daß das bewußte Interesse an einer bestimmten Gedankenverbindung ein Antrieb für das Unbewußte ist, unter den unzähligen möglichen Verstellungen die zweckentsprechende herauszufinden. ›Es ist das Unbewußte, welches den Zwecken des Interesses gemäß wählt: und das gilt für die Ideenassoziation beim abstrakten Denken, als sinnlichem Vorstellen oder künstlerischem Kombinieren‹ und beim witzigen Einfall. Daher ist eine Einschränkung der Ideenassoziation auf die hervorrufende und die hervorgerufene Vorstellung im Sinne der reinen Assoziationspsychologie nicht aufrecht zu erhalten. Eine solche Einschränkung wäre ›nur dann tatsächlich gerechtfertigt, wenn Zustände im menschlichen Leben vorkommen, in denen der Mensch nicht nur von jedem bewußten Zweck, sondern auch von der Herrschaft oder Mitwirkung jedes unbewußten Interesses, jeder Stimmung frei ist. Dies ist aber ein kaum jemals vorkommender Zustand, denn auch, wenn man seine Gedankenfolge anscheinend völlig dem Zufall anheimgibt, oder wenn man sich ganz den unwillkürlichen Träumen der Phantasie überläßt, so walten doch immer zu der einen Stunde andere Hauptinteressen, maßgebende Gefühle und Stimmungen im Gemüt als zu der anderen, und diese werden allemal einen Einfluß auf die Ideenassoziation üben.‹ (Philos. d. Unbew., 11. Aufl., I., 246.) Bei halb unbewußten Träumen kommen immer nur solche Vorstellungen, die dem augenblicklichen (unbewußten) Hauptinteresse entsprechen (a. a. O.). Die Hervorhebung des Einflusses der Gefühle und Stimmungen auf die freie Gedankenfolge läßt nun das methodische Verfahren der Psychoanalyse auch vom Standpunkte der Hartmannschen Psychologie als durchaus gerechtfertigt erscheinen.« (N. E. Pohorilles in Internat. Zschr. f. ärztl. Ps.-A. I, 1913, S. 605 f.) – Du Prel schließt aus der Tatsache, daß ein Name, auf den wir uns vergeblich besinnen, uns oft plötzlich wie unvermittelt einfällt, es gebe ein unbewußtes und dennoch zielgerichtetes Denken, dessen Resultat alsdann ins Bewußtsein tritt (Philos. d. Mystik p. 107).

[(228)] Vgl. hiezu die glänzende Bestätigung dieser Behauptung, die C. G. Jung durch Analysen bei Dementia praecox erbracht hat. (»Zur Psychologie der Dementia praecox«, 1907.)

[(229)] Dieselben Erwägungen gelten natürlich auch für den Fall, daß die oberflächlichen Assoziationen im Trauminhalt bloßgelegt werden, wie z. B. in den beiden von Maury mitgeteilten Träumen ([p. 45]: pélerinage – Pelletier – pelle; Kilometer – Kilogramm – Gilolo – Lobelia – Lopez – Lotto). Aus der Arbeit mit Neurotikern weiß ich, welche Reminiszenz sich so darzustellen liebt. Es ist das Nachschlagen im Konversationslexikon (Lexikon überhaupt), aus dem ja die meisten in der Zeit der Pubertätsneugierde ihr Bedürfnis nach Aufklärung der sexuellen Rätsel gestillt haben.