In ihrem zweiunddreissigsten Lebensjahre verheirathete sie sich und zog sich für einige Jahre als Schau-Object aus der Oeffentlichkeit zurück, war jedoch durch Umstände gezwungen, nochmals eine Tournée zu unternehmen, von der sie sich erst 1892 wieder ins Privatleben zurückzog, und da sie sich genügende Mittel erspart hat, so kann sie bis an ihr Lebensende sorglos leben.

Das Bärenweib

hat seit 1895 ausserordentliches Aufsehen erregt und war für nahezu zwei Jahre auch die Haupt-Attraction in Castan's Panopticum zu Berlin.

Dass diese Frau mit einem Bären nichts gemein hat (ausgenommen das schöne Bärenfell, das sie über dem Tricot-Anzuge trägt), ist wohl ebenso begreiflich, wie es unbegreiflich ist, dass das Publicum sich einen so colossalen »Bären aufbinden« liess, indem es einen bei Lichte betrachtet ziemlich plump inscenirten Mummenschanz für unverfälschte Natur nahm und anstaunte. Wenn dieses Wesen nach Professor Virchow's Angabe auch eine ganz seltene Abnormität ist, so ist der Titel »Bärenweib« doch durchaus ungerechtfertigt. Die Abnormität besteht nämlich darin, dass sich die Ellenbogen ganz dicht bei den Handgelenken und die Knie ganz dicht bei den Knöcheln befinden. Dadurch ist allerdings eine ganz entfernte Aehnlichkeit mit einem Bären hervorgebracht, aber nur, so lange das »Bärenweib« sich auf Händen und Füssen fortbewegt, also nur während der Vorführung; ist diese aber beendet, so geht es gerade so gut aufrecht, wie jeder andere gewöhnliche Sterbliche.

Wo die Frau geboren ist, ist unbekannt. Seit etwa 1880 ist sie mit ihrer Mutter, die ebenso missgestaltet ist wie die Tochter, zusammen in ganz Amerika ausgestellt worden, und Beide waren stets gesuchte Schau-Objecte.