Er starb im Jahre 1893 an Herzverfettung und wog kurz vor seinem Tode 728 engl. Pfund. Er war 6 Fuss 3 Zoll hoch, und wir können wohl mit Recht sagen, »Jumbo« war einer der schwersten Männer, die jemals gelebt.

Gay, so genannt bei seinen Freunden, war der gutherzigste Mensch der Welt, stets bereit zum Helfen, und wenn er seine Geige im Arm hatte und seinen Freunden einige Lieder vorsingen konnte, dann war er glücklich.

Gay Jewett war acht Jahre verheirathet; seine Frau, die Tochter eines wohlhabenden Bauern in Minnesota, war ein kleines, schwächliches Weib und wog nur etwa 94 Pfund, jedoch war sie die Güte in Person und verliess ihren Dicken nicht einen Tag. Sie betrauert ihren Gay noch jetzt und will sich auch nicht wieder verheirathen.

Marietta

das scheckig behaarte Mädchen.

In der Völkergeschichte begegnen wir ähnlichen Typen haarreicher Volksstämme, so den Ainos und neuerdings den zottigen Menschen im Innern von Siam und Anam. Auch an einzelnen interessanten Individuen — es sei nur an den pinscherartigen Russen Adrian Jestichew und an die kleine Kra-o erinnert — sind solche Formen abnormer Behaarung zu beobachten gewesen; indessen als ein Naturwunder eigenster Art tritt Marietta, das »gescheckte Mädchen«, in Erscheinung, denn bei ihr offenbart sich eine ganz merkwürdige Haarbildung, die in dieser Weise noch nirgends beobachtet worden ist. Marietta stammt, wie es bei den sogenannten »Haarmenschen« nachzuweisen ist, weder von einem wilden Naturvolke, noch von einer farbigen Race ab, sondern sie ist von europäischer Herkunft. Sie erinnert bald an den Leoparden, bald an das Zebra oder an den Affen, je nach der Art der Zeichnung, Färbung und Behaarung der einzelnen Körpertheile. Höchst unregelmässig hat hier die Natur gearbeitet, eigentlich ganz systemlos einen atavistischen Rückfall bezeichnend. Das Gesicht Marietta's ist auf der rechten Seite vollständig schwarz gezeichnet und zum grössten Theil behaart, auf der linken Wange dagegen nur mit einem Backenbart bedeckt. Auch das Kinn weist einen ziemlich stark entwickelten Bart auf. Am auffallendsten ist die Verfärbung und die zottige Behaarung des glänzenden Rückenfells. Seine Haare erreichen eine Länge von über 2 Centimeter, während die Haare des Bartes eine solche über 6 Centimeter, des Unterarmes eine solche über 3 Centimeter aufweisen. Entgegen den Haaren des Rumpfes, der Arme und Oberschenkel, die nach unten gerichtet sind, streben die Haare der Unterschenkel nach oben, wie die der Unterarme der Anthropomorphen oder Menschenaffen. Der übrige Körper des »scheckigen Mädchens« trägt ein Gemisch von Streifen und Flecken, bald dichter, bald dünner mit Haaren besetzt. Dabei treten überall merkwürdige Gegensätze hervor. So ist z. B. bei Marietta von den zehn Fingern nur einer schwarz; das eine Ohr schwarz, das andere dagegen weiss. Das braune Colorit der Beine contrastirt merkwürdig mit der tiefschwarzen Färbung des Kopfes.

Im allgemeinen zeigt der Oberkörper eine vorwiegend schwarze Färbung, die an den Unterarmen abschneidet und nur am Oberarm in spangenartigen Streifen wieder zum Vorschein kommt.

So bietet denn Marietta durch ihre Erscheinung ein völlig neues, bisher noch nie gesehenes Naturwunder dar, das der Wissenschaft ein neues und ungewöhnlich interessantes Räthsel zu lösen aufgiebt. In der That erregte Marietta überall, wo sie in wissenschaftlichen Hörsälen vor Anthropologen und Medizinern erschien, die grösste Sensation. Von Herrn Medizinalrath Prof. Dr. C. Hennig der medizinischen Gesellschaft in Leipzig vorgeführt, äusserte sich der berühmte Gelehrte in einem längeren Vortrage, dass Marietta ein Naturspiel noch nie gesehener Art, ein leibliches Wunder sei und in ihrer Erscheinung an Menschen unserer entrücktesten Urzeit erinnere. Auch Herr Geheimrath Prof. Dr. Ponfick, Breslau, betonte bei einer Demonstration Marietta's im wissenschaftlichen, vaterländischen Verein daselbst, dass Marietta wohl der erste Fall von so ausgeprägter Flecken- und Haarbildung sei, den man je an einem Menschen beobachtete.