„Die Aermste. — Frecher Bursche übrigens.“

„O, nicht doch, er lief ja umher und wußte weder aus noch ein, glaube ich. Er macht nicht gerade den Eindruck, als habe er Erfahrung im Reisen. Du kennst ihn?“

„Keine Ahnung. Aber deshalb kann ich ihn sehr gut mal getroffen haben. Ah, da sind sie.“

Ahlin nahm Fräulein Jahrmann den Mantel von der Schulter.

„Teufel auch,“ meinte Heggen, „wie fein du heut Abend bist, Cesca.“

Sie lächelte erfreut und strich mit der Hand den Rock über den Hüften glatt, dann faßte sie Heggen bei den Schultern:

„Rück’ ein wenig zur Seite — ich will neben Jenny sitzen.“

„Herr des Himmels, wie ist sie schön,“ dachte Helge. Cescas Kleid war leuchtend grün, der üppige Busen hob sich aus dem hoch gearbeiteten Rock wie aus einem Blumenkelch. Die Sammetbluse leuchtete in den Falten wie gleißendes Gold; aus dem tiefen Ausschnitt wuchs der runde, mattbraune Hals empor. Sie war sehr brünett; unter der braunen Glocke des Plüschhutes umschmeichelten kleine kohlschwarze Locken die reinen, pfirsichroten Wangen. Das Antlitz war ganz jungmädchenhaft, schwere Lider bedeckten die tiefen, grauschwarzen Augen, und lächelnde Grübchen verschönten den kleinen, dunkelroten Mund.

Jenny Winge, so hübsch sie auch war, fiel gegen die Freundin ganz ab. Sie war ebenso blond wie die andere dunkel: das Haar, von der hohen weißen Stirn zurückgestrichen, lugte goldig schimmernd unter dem kleinen grauen Pelzbarett hervor; die Haut war schneeig weiß und lichtrot. Selbst Augenbrauen und die Wimpern über den stahlgrauen Augen waren hell — goldbraun. Der etwas bleiche Mund aber schien zu groß für das schmale Gesicht mit der kurzen geraden Nase und den blaugeäderten gewölbten Schläfen; wenn sie lachte, zeigte sie eine dichte Reihe blanker Zähne. Alles übrige an ihr war schmächtig, der lange schlanke Hals, die Arme, von hellen feinen Härchen bedeckt, und die langen, mageren Hände. Lang und aufgeschossen, wie sie war, erschien ihr Körper knabenhaft — sie mußte noch erstaunlich jung sein. Sie trug kleine weiße Aufschläge an den Ellenbogen und am Halsausschnitt des hellgrauen, seidenen Kleides, das, leicht und wallend, über der Brust und an den Hüften gekräuselt war — wohl um ihre Magerkeit etwas zu verbergen. Den Hals schmückte eine Kette von kleinen mattrosa Perlen, die sich in rosenroten Lichtpünktchen auf der Haut widerspiegelten.

Helge Gram hatte sich bescheiden am Ende des Tisches niedergelassen und folgte der Unterhaltung. Die fremde Gesellschaft sprach von einer Frau Söderblom, die krank gewesen war. Ein alter Italiener mit einer schmutzigweißen Schürze über dem dicken Leib kam herbei und fragte nach ihren Wünschen.