Sie zuckte die Schultern:
„Ich muß ja. Zu Hause brauchen sie immer Geld, wie du weißt. Außerdem — ich muß wegreisen. Ich sehe, daß es nicht gut für mich ist, zu Hause zu sein.“
„Du willst also fort.“ Gram sagte es leise und sah nieder. „Ja natürlich. Das ist ja auch verständlich.“
„Ach, die Ausstellung!“ Jenny warf sich erregt in den Schaukelstuhl. „Alle meine Bilder — die neuesten jedenfalls ... Es ist eine Ewigkeit her, seit ich daran arbeitete. Das Aventinerbild — die Studie beendete ich an jenem Tag, als ich Helge zum ersten Male sah. Das Bild malte ich, während wir zusammen waren — auch das von Cesca. Und das von der Stenerstraße unten bei dir, während ich auf ihn wartete. Seitdem habe ich nichts getan. O Gott! — So, Helge arbeitet also wieder ...“
„Es ist klar, liebes Kind, daß so etwas tiefere Spuren bei einer Frau hinterläßt —.“
„O gewiß. Bei einer Frau. Das ist ja gerade das ganze Elend. Man geht umher, mürrisch und faul — erzfaul! Um einer Liebe willen, die nicht einmal vorhanden ist!“
„Liebe Jenny,“ sagte Gram ruhig. „Ich finde das so natürlich. Es muß seine Zeit haben, bis du ganz hindurch bist — und auf der anderen Seite drüben. Man kommt nämlich immer auf die andere Seite, siehst du, und dann begreift man, daß man ein solches Erlebnis nicht umsonst gehabt hat. Auf die eine oder andere Art kann man immer seine Seele mit solchen Erfahrungen bereichern.“
Jenny lachte kurz auf, antwortete aber nicht.
„Du hast trotzdem sicher viele Erinnerungen aus jener Zeit, die du nicht missen möchtest — nicht wahr? Die Erinnerung an all die glücklichen, warmen Sonnentage mit deinem Freunde, dort unten in dem wunderbaren Lande, Jenny?“
„Willst du mir nicht erklären, Gert, woher du weißt, daß man seine Seele mit derartigen Erlebnissen bereichert, wie du sagtest. Hast du das aus eigener Erfahrung?“