„Ach Gott, Jenny, der Junge wurde so glücklich, der Aermste.“ Sie verschluckte ihre Tränen. „Ja, er wurde froh. ‚Jetzt,‘ sagte er, ‚hier?‘ Er nahm mich auf den Arm und wollte mich in den Wald hineintragen. Ich aber wehrte mich und sagte: ‚heute Nacht, heute Nacht!‘ O, Jenny, ich verstehe ja nicht, warum ich es tat, eigentlich wollte ich es aber doch. Es wäre schön gewesen, in dem tiefen Wald mit der Sonne über uns. Aber ich tat, als wollte ich nicht — Gott mag wissen, warum. Dann am Abend, als ich mich zur Ruhe gelegt und nun die vielen Stunden hindurch auf diesen Augenblick gewartet hatte, als dann Lennart kam — ja, da begann ich denn wieder zu heulen —. Doch da raste er hinaus, siehst du, und blieb die ganze Nacht über weg. Ich lag wach. Ich weiß nicht, wo er geblieben war. Wir reisten am nächsten Vormittag nach Rom zurück und wohnten im Hotel. Lennart mietete zwei Zimmer, aber ich ging zu ihm hinein. Schön war es aber dann nicht mehr. Seitdem ist es zwischen mir und Lennart nie wieder gut geworden. Ich verstehe wohl, daß ich ihn furchtbar gekränkt haben muß. Aber du sollst mir sagen, Jenny, ob du glaubst, daß ein Mann so etwas vergessen oder verzeihen kann?“

„Er müßte später eingesehen haben,“ sagte Jenny leise und unsicher, „daß du es damals nicht verstandest, die Gefühle nicht kanntest, die du gekränkt hast.“

„Nein.“ Cesca erschauerte. „Ich verstehe es jetzt. Ich verstehe, daß es etwas Fleckenloses, Reines und Schönes war, das ich beschmutzte. Aber ich wußte es damals nicht. Jenny — kann eines Mannes Liebe das niemals überwinden?“

„Sie müßte es können. Du hast ja späterhin bewiesen, daß du seine gute, treue Frau sein wolltest. Jetzt im Winter rackertest du dich ab, mühtest du dich ab und klagtest nicht. Im Frühling, als er krank war, wachtest du Nacht für Nacht, pflegtest ihn Woche für Woche.“

„Das war ja gar nichts,“ sagte Cesca eifrig. „Er war so gut und geduldig und half mir, so viel er konnte, bei meiner mühevollen Arbeit, wie du es nennst. Und während seiner Krankheit kamen hin und wieder Freunde von ihm und halfen bei der Nachtwache. In der Woche, als er fast im Sterben lag, hatten wir übrigens auch eine Schwester, aber ich wachte trotzdem, weil ich so gern wollte, verstehst du, aber ich hätte es natürlich nicht nötig gehabt.“

Jenny küßte Cesca auf die Stirn.

„Aber etwas habe ich dir noch nicht erzählt, Jenny. Ja, du hast mich auch vor dem gewarnt, wofür mir der Instinkt fehlte, und Gunnar hatte gescholten. Fräulein Linde sagte sogar einmal frei heraus, weißt du noch, daß ein Mann, wenn man ihn aufreizte, zu einer anderen ginge —.“

Jenny erstarrte vor Schreck.

Cesca nickte in die Kissen:

„Ja, ich fragte ihn also so etwas Aehnliches — an jenem Morgen —.“