„Ist es nicht sonderbar, daß es in diesem Jahre nicht regnen kann, du? Ihr Frauen habt es gut, ihr dürft so dünn gekleidet gehen. Dein Kleid sieht übrigens wie Halbtrauer aus, wenn du nicht die hellrosa Perlen trägst, aber es steht dir außerordentlich gut!“

Das Kleid war weiß und durchsichtig, mit kleinen schwarzen Blumen gemustert, überall gekräuselt und von einem strammen schwarzseidenen Gürtelband zusammengehalten. Der Strohhut, den sie im Schoß hatte, war ebenfalls schwarz, mit schwarzen Sammetrosen geziert. Nur die blaßroten Krystallperlen leuchteten auf der reinen Haut des Halses.

Er beugte sich vor, so daß er ihren Fuß gerade über dem Ausschnitt des Schuhes küssen konnte. Dann strich er mit zwei Fingern über die feine Biegung des Spanns mit dem durchsichtigen Strumpf und faßte um ihre Knöchel.

Kurz darauf schob sie behutsam seine Hand zurück, er griff nach der ihren, hielt sie fest und lächelte zu ihr empor. Sie lächelte zurück, dann drehte sie den Kopf nach der anderen Seite.

„Du bist so still, Jenny, ist dir die Wärme lästig?“

„Ja,“ sagte sie. Dann schwiegen sie wieder.

Ein Stück Weges von ihnen entfernt, dort wo sich ein Villengarten bis zum Wasser erstreckte, trieben einige halbwüchsige Jungen auf der Badehausbrücke ihr Spiel. Oben im Hause schnarrte ein Grammophon. Ab und zu wehten Klänge der Musik vom Seebade zu ihnen herüber.

„Du, Gert —“ Jenny hielt plötzlich seine Hand fest. „Wenn ich einige Tage oben bei Mama gewesen und dann wieder in die Stadt zurückgekehrt bin, reise ich fort.“

„Wieso?“ Er stützte sich auf seinen Ellenbogen. „Wohin willst du reisen?“

„Nach Berlin,“ sagte Jenny. Sie fühlte selbst, wie ihre Stimme zitterte.