„Jenny — ist etwas — Besonderes — du sollst die Wahrheit sagen — du darfst nicht lügen. Ist etwas mit dir vorgefallen? — Sprich —“
Einen Augenblick versuchte sie, ihm frei in die Augen zu schauen. Dann senkte sie den Kopf. Gert Gram aber sank vorn über, das Gesicht in ihrem Schoß bergend:
„O Gott, o Gott. Ach Gott im Himmel —“
„Gert! Lieber, Lieber! Ach, nicht doch Gert! Du reiztest mich mit deinen Vermutungen über einen anderen,“ sagte sie gedemütigt. „Ich hätte es nicht sagen sollen. Ich hatte nicht die Absicht, es dir zu sagen — vielleicht später.“
„Das hätte ich dir nie verziehen,“ sagte Gram. „Wenn du es mir nicht gesagt hättest. Aber — du mußt es doch schon eine Zeitlang gewußt haben,“ meinte er plötzlich. „Weißt du — wie weit du bist?“
„Im dritten Monat,“ sagte sie kurz.
„Aber Jenny,“ er faßte entsetzt ihre beiden Hände, „jetzt kannst du dich ja nicht — von mir trennen, so ohne weiteres, meine ich. Jetzt können wir ja nicht auseinandergehen.“
„Doch.“ Sie strich ihm liebkosend über das Gesicht. „Doch. Wäre es nicht so gekommen, so hätte ich es wohl noch eine Zeitlang so weitergetrieben. Aber jetzt mußte ich der Sache in die Augen schauen — und alles klarstellen.“
Er lag eine Weile still da.
„Hör einmal zu, Kind. Du weißt, ich wurde im vergangenen Monat geschieden. In zwei Jahren bin ich frei. Dann komme ich zu dir. Ich gebe dir — und dem da — meinen Namen. Ich verlange nichts, verstehst du — nichts. Aber ich fordere mein Recht, dich wieder aufzurichten, wie ich es dir schuldig bin. Weiß Gott, ich werde genug darunter leiden, daß es nicht eher sein kann. Aber ich verlange nichts, das ist selbstverständlich. Du sollst nicht im geringsten an mich alten Mann gebunden sein —“