„Gert. Ich bin froh, daß du von ihr geschieden bist. Aber ich sage dir ein für allemal: ich heirate dich nicht, wenn ich nicht deine richtige Frau werden kann. Es ist nicht der Jahre wegen, die zwischen uns liegen. Hätte ich nicht das Gefühl, Gert, daß ich niemals ganz dein gewesen bin, wie es hätte sein sollen, so bliebe ich bei dir, als dein Weib, solange du jung wärst, als deine Freundin, wenn das Alter käme, deine Krankenschwester, gern, willig und glücklich. Aber ich weiß, ich kann dir nicht das sein, was eine Frau sein soll. Um der Leute willen gehe ich aber nicht hin und verspreche etwas, was ich nicht halten kann, weder vor dem Pfarrer, noch dem Bürgermeister.“

„Oh, aber Jenny, das ist doch Wahnsinn von dir.“

„Du bringst mich jedenfalls nicht davon ab,“ sagte sie hastig.

„Ja, aber Kind, was willst du denn tun? Nein, ich kann es nicht zulassen. Was soll denn mit dir werden? Kleines, du mußt verstehen — du mußt mich dir helfen lassen, Jenny.“

„Still, lieber Freund. Du siehst ja, ich trage es ganz ruhig. Wenn man erst davorsteht, ist es eigentlich nicht so gefährlich, wie man sich immer einbildet. Glücklicherweise habe ich noch etwas Geld.“

„Aber die Menschen, Jenny — sie werden häßlich gegen dich sein — dich in Verruf bringen.“

„Das vermag niemand. Meine einzige Schande ist, Gert, daß ich dich deine Liebe an mir verschwenden ließ.“

„Ach, dieser Unsinn! Nein, aber die Leute — du weißt nicht, wie herzlos sie sind, wie sie dich mit ihrer Bosheit mißhandeln, dich kränken und dich verletzen werden.“

„Daraus mache ich mir nicht viel, Gert.“ Sie lachte ein wenig. „Uebrigens bin ich Gott sei Dank Künstlerin. Man erwartet fast nichts anderes von uns, als daß wir hin und wieder einen Skandal heraufbeschwören.“

Er schüttelte den Kopf. Aus einem plötzlichen, verzweifelten Reuegefühl darüber, daß sie es ihm gesagt, daß sie ihm wehgetan hatte, zog sie ihn fest an sich: