Heggen dort, mit dem dicken roten Mund, träumte jedenfalls kaum von romantischen Abenteuern à la Romanbibliothek aus dem Familienjournal, wenn er Abends auf Roms Straßen mit einem kleinen Mädchen anbändelte.
Helge begann zu verspüren, daß er Wein getrunken hatte.
„Wenn Sie jetzt gehen und sich zu Bett legen, so haben Sie morgen Kopfweh,“ sagte Jenny Winge zu ihm, als sie wieder draußen auf der finsteren Gasse standen. Die drei anderen gingen voraus; Helge folgte mit ihr in geringem Abstand.
„Ehrlich gesagt, Fräulein Winge, finden Sie nicht, daß Sie da einen schrecklich langweiligen Burschen mitbekommen haben?“
„Nein, mein Lieber. Es liegt ja nur daran, daß Sie uns nicht kennen und wir Sie nicht — noch nicht jedenfalls.“
„Mir wird es so schwer, mich anzuschließen — es gelingt mir eigentlich niemals. Ich hätte nicht mitgehen sollen, als Sie so liebenswürdig waren, mich heute Abend einzuladen. Zum Amüsieren scheint man auch Uebung haben zu müssen.“ Er versuchte zu lachen.
„Ja gewiß.“ Helge konnte an ihrer Stimme hören, daß Jenny lächelte. „Ich war fünfundzwanzig, ehe ich begann, mich zu üben, und weiß Gott, der Anfang war auch für mich nicht leicht.“
„Sie? Ich glaubte, daß Sie Künstlerleute immer ... Uebrigens dachte ich, Sie hätten es noch weit bis fünfundzwanzig.“
„Oh, Gott sei Dank, ich bin schon weit darüber.“
„Und da sagen Sie Gott sei Dank? — Und ich dagegen als Mann. — Ich weiß nicht — jedes Jahr, das gleichsam von mir abbröckelt, hinabsinkt in die Ewigkeit, ohne etwas gebracht zu haben — außer der demütigen Erkenntnis, daß die Mitmenschen mich nicht brauchen, mich nicht zu den ihren rechnen —“ Helge hielt plötzlich erschrocken inne. Er fühlte wie seine Stimme zitterte, hatte auch die Empfindung, als sei er ein wenig angetrunken, da er so zu einer Dame sprach, die er nicht einmal kannte. Er fuhr jedoch, gegen seine eigene Scheu ankämpfend, fort: „Ich finde, es ist völlig hoffnungslos. Wenn mein Vater von der Jugend seiner Zeit erzählte — sie führten große Worte im Munde von goldenen Illusionen und dergleichen. Zum Teufel, ich habe in all den Jahren nicht eine einzige Illusion gehabt, von der ich hätte Wesens machen können. Und die Jahre sind verflossen — verloren — nicht wiederzuerlangen.“