„Bist du noch nicht zu Bett gegangen?“ sagte er leise. „Du wirst dich erkälten.“ Er holte ihren Schal aus der Laube und reichte ihn ihr, dann setzte er sich auf den Mauerrand zwischen die Blumentöpfe.
Eine Weile starrten sie so schweigend über die Stadt, deren Kirchenkuppeln im Mondenlicht schwammen. Die Linien der fernen Höhenzüge waren vermischt.
Jenny rauchte. Auch Gunnar zündete sich eine Zigarette an.
„Ich merke übrigens, ich vertrage fast nichts mehr — beim Trinken meine ich. Es wirkt sofort,“ sagte sie gleichsam entschuldigend.
Er sah, daß sie jetzt völlig nüchtern war.
„Ich finde, du solltest es jetzt eine Weile lassen, Jenny. Auch das Rauchen, solltest jedenfalls nur ganz wenig rauchen. Du hast ja über dein Herz geklagt.“
Sie antwortete nicht.
„Im Grunde bist du ja über diese Menschen der gleichen Meinung wie ich. Ich begreife nicht, daß du dich dazu herablassen magst, mit ihnen zusammen zu sein — in dieser Art und Weise.“
„Mitunter,“ sagte sie leise, „braucht man — Betäubung, gerade heraus gesagt. Und was das Sichherablassen betrifft —.“ Er blickte ihr in das weiße Antlitz. Das unbedeckte blonde Haar flimmerte im Mondlicht. „Mitunter finde ich: nicht. Obgleich — jetzt in diesem Augenblick zum Beispiel, schäme ich mich. Jetzt bin ich also ungewöhnlich nüchtern, siehst du.“ Sie lachte ein wenig. „Manchmal ist das nicht der Fall, selbst wenn ich nichts getrunken habe. Dann überkommt mich das Verlangen, mit dieser Sorte zusammen zu sein.“
„Es ist gefährlich, Jenny,“ flüsterte er. Und nach einer Weile: „Ich kann mir nicht helfen, aber ich fand das heute Abend widerlich. Ich habe manches gesehen — wie es zugeht. Ich möchte dich doch nicht gern sinken sehen, so enden sehen wie etwa Loulou —.“