So kamen sie zu ihrer Haustür. Heggen schloß auf, entzündete ein Wachshölzchen und begann, die endlos dunkle Treppe hinaufzuleuchten.
Ihre beiden Zimmerchen lagen für sich auf einem halben Stockwerk oben am Ende der Treppe. An den Türen vorüber lief ein kleiner Gang, der in einer Marmortreppe zum flachen Dach des Hauses endigte.
In ihrer Tür reichte sie ihm die Hand:
„Gute Nacht, Gunnar — hab Dank,“ sagte sie leise.
„Ich danke dir. Schlaf gut —“
„Gleichfalls.“
Drinnen in seinem Zimmer öffnete er das Fenster. Gerade gegenüber glänzte der Mondschein auf einer ockergelben Hauswand mit geschlossenen Fensterläden und schwarzen eisernen Balkons. Der Pincio erhob dahinter seinen Gipfel mit den scharfabstechenden dunklen Laubmassen gegen den mondlichtblauen Himmel. Darunter lagen alte, moosbewachsene Dächer; wo des Hauses kohlschwarzer Schatten endete, hing leichenfahle Wäsche zum Trocknen auf einer niedrigen Terrasse. Gunnar beugte sich weit über das Fenstersims, traurig und angewidert. Tod und Teufel, war er denn engherzig oder — aber Jenny in diesem Zustande zu sehen —!
Aber gerade er hatte sie zuerst in dieses Getriebe hineingezogen. Um sie aufzumuntern. Sie verkümmerte ja in den ersten Monaten wie ein kranker Vogel. Er hatte geglaubt, es würde für sie Beide eine boshafte Unterhaltung sein, die anderen zu beobachten — diese Affen. Er hatte ja nicht geahnt, daß es eine derartige Wirkung haben könnte.
Er hörte sie aus ihrem Zimmer und hinauf zum Dache gehen. Heggen zauderte einen Augenblick. Dann folgte er ihr.
Sie saß in dem einzigen Stuhl dort oben, hinter der kleinen Wellblechlaube. Die Tauben gurrten schläfrig in ihrem Schlage, der auf dem Laubendach angebracht war.