„Nein — ich dachte nur —“

Er wurde plötzlich ohne jeden Anlaß verwirrt. So ein kleines Kunstmädel, das sich natürlich nach eigenem Gutdünken in der Welt umhertummelt — Gott übrigens mochte wissen, woher ihresgleichen das Geld nahm. Es schien ebenso natürlich, daß man in Paris gewesen war wie eines Abends im Café Dronningen in Kristiania. — Für diese Art von Menschen war es weiß Gott ein Leichtes, von Selbstvertrauen zu sprechen. Ein kleiner Liebeskummer in Paris, den sie in Rom vergaß, das war vielleicht das Schwerste, das sie durchgemacht. Und nun fühlte sie sich so verteufelt keck und übermütig und erfahren, daß sie meinte, das ganze Leben ertragen zu können.

Ihre Figur war eigentlich unschön, obgleich sie ein frisches Antlitz hatte mit wunderbaren Farben.

Am meisten reizte es ihn aber, mit Franziska Jahrmann zu plaudern. Sie sprühte jetzt vor Lebendigkeit, war jedoch von Ahlin und Heggen völlig in Anspruch genommen. Unterdes verzehrte Jenny Winge Spiegeleier mit trockenem Brot und trank kochend heiße Milch dazu.

„Hier scheint mir verdächtiges Publikum zu verkehren,“ wandte Helge sich an sie. „Die reinen Verbrechertypen alle miteinander, finde ich.“

„O ja, hier findet man Menschen von jeder Sorte. Sie dürfen nicht vergessen, Rom ist eine moderne Großstadt. Es gibt viele Leute, die in Nachtschicht arbeiten. Und dieses Lokal ist eines der wenigen, die um diese Stunde noch geöffnet sind. Sind Sie nicht hungrig? Ich werde mir jetzt schwarzen Kaffee kommen lassen.“

„Halten Sie immer solange aus?“ Helge sah nach der Uhr. Es war um die vierte Stunde.

„Aber nein“, sie lachte. „Nur hin und wieder. Wir sehen uns den Sonnenaufgang an und essen dann zusammen unser Frühstück. Heute Abend ist es nun Fräulein Jahrmann, die nicht nach Hause will.“

Helge wußte selber kaum, weshalb er sitzen blieb. Man trank irgendeinen blaugrünen Likör, der ihn ganz taumelig machte, indes die anderen lachten und plauderten. Um ihn her schwirrten Namen von Menschen und Orten, die er nicht kannte.

„Nein, hört mal, Douglas mit seinen Moralpredigten, kommt mir nicht damit! Ihr müßt nämlich wissen — eines Morgens waren wir allein oben im Aktsaal, er und der Finne. Ihr entsinnt euch doch, Lindberg und ich, und wir beide gingen hinunter, um etwas Kaffee zu trinken — es war im Juni vergangenen Jahres. Als wir zurückkamen, saß Douglas da, das Mädel im Arm. Nun, wir taten, als sei nichts vorgefallen. Er lud mich aber seitdem nie mehr zum Tee ein.“