„Ich sah es in Florenz. Es ist ein Skandal, daß Leute mit so scheußlichen Wunden oder furchtbar verunstaltet umhergehen und betteln dürfen! Das Armenwesen müßte sich dieser Jammergestalten annehmen.“
„Ich weiß nicht recht. Es ist nun einmal so hier unten. Wir Fremden können ja nicht darüber urteilen. Es geht ihnen vielleicht besser so — sie verdienen mehr auf diese Art.“
„Auf dem Piazzale Michelangelo beobachtete ich einen Bettler ohne Arme — die Hände saßen ihm oben auf den Schultern. Ein deutscher Doktor, mit dem ich zusammen wohnte, sagte, er besäße eine Villa bei Fiesole.“
„Na also, ist das nicht sehr gut?“
„Daheim bei uns lernen die Krüppel arbeiten,“ wandte Helge ein, „so daß sie sich auf ehrliche Weise durchschlagen können.“
„Zu einer Villa reicht es aber kaum,“ sagte sie und lachte.
„Dennoch — ist etwas Demoralisierenderes denkbar, als davon zu leben, daß man seine Verkrüppelungen zur Schau stellt?“
„So oder so, das Bewußtsein, daß man ein Krüppel ist, wirkt sicher immer demoralisierend.“
„Trotzdem, — davon zu leben, daß man das Mitleid der Leute anruft —.“
„Wer ein Krüppel ist, weiß ja doch, daß er bemitleidet wird und Hilfe annehmen muß — von Menschen oder Gott.“