Dann peitschte ein Regenschauer gegen die Abteilfenster und blendete sie, trieb den Rauch der Lokomotive zur Erde nieder. Später klärte es sich ein wenig auf, ein Lichtschimmer breitete sich über Tälern und waldbestandenen Berghalden aus, der Nebel wich über die Gebirge zurück.
Einige seiner Sachen hatte er in einen der Koffer der jungen Mädchen gepackt. Abends, als es ihm einfiel, hatten sie bereits begonnen sich auszukleiden. Sie lachten und plauderten drinnen, als er kam und an ihre Türe pochte. Jenny öffnete einen Spalt und reichte ihm das Erbetene hinaus. — Sie trug eine durchsichtige Frisierjacke mit kurzen Aermeln, so daß der schmächtige, weiße Arm entblößt war. Der hatte ihn zum Küssen verlockt, und doch wagte er nur einen einzigen so flüchtigen, scherzhaften, daß dieser Kuß von selber um Verzeihung bat.
Damals war er verliebt in sie gewesen. Als er berauscht war vom Lenz, vom Wein und dem munteren, peitschenden Regen, den hastigen Sonnenstrahlen und seiner eigenen Jugend und Lebenskraft. Er hatte das Verlangen, sie mit zum Tanz zu nehmen, das hohe, lichte Mädchen, das so behutsam lachte, als versuche sie eine neue Kunst, die sie nie zuvor getrieben. Sie, die mit ihren grauen Augen hinausstarrte, ernst und sehnsuchtsschwer, auf all die Blumen, an denen sie vorüber fuhren und die sie so gern hatte pflücken wollen.
Oh, Herr mein Gott, wie hätte alles sein können! Das trockene, bittere Schluchzen erschütterte ihn von neuem.
An jenem Tage, als sie zum Montefiascone emporstiegen, regnete es auch, daß es um der beiden Frauen geraffte Röcke und schmale Knöchel und Füße vom Steinpflaster hoch aufspritzte. Wie hatten sie aber gelacht, die drei, während sie durch die steilen, schmalen Straßen wateten, wo der Regen ihnen, Wasserfällen gleich, entgegenrauschte.
Als sie dann auf der Rocca angelangt waren, der Burgklippe inmitten des kleinen alten Städtchens, da teilten sich die Wolken.
Sie beugten sich alle drei über die Brustwehr und blickten an den Bolsenersee hernieder, der tief unter den grünen Hängen mit den Olivenhainen und Weingärten schwarz dalag. Die Wolken schwebten niedrig über den Bergkuppen rings um den See. Dann aber lief ein silberschlanker Regenschauer über den dunklen Wassersspiegel, breitete sich aus und wurde blau, der Nebel wallte zurück und glitt in Senkungen und Klüfte, während die Linien der Gebirge hervortraten. Die Sonne brach durch die herabsinkenden Wolken, die sich golden und bleiernblau um den Fuß kleiner, von steingrauen Burgstädten gekrönter Berge legten. Im Norden, weit entfernt, tauchte eine hohe, kegelförmige Spitze auf. Cesca behauptete, es sei der Monte Amiata.
Ueber den frisch gewaschenen, blauen Lenzhimmel hin zogen sich die letzten Reste der Regenwolken fort, schwer und silberverbrämt, vor der Sonne zerfließend; das Unwetter flüchtete westwärts, dunkel drohend, dorthin, wo die etrurische Hochebene sich braunschwarz und einsam zum fernen, weißgelben Glanzstreifen des Mittelmeeres herabsenkte.
Oede, groß und streng war das Land weithin, wie eine Hochgebirgslandschaft daheim, trotz der grauen Olivenhaine und Weinranken, die sich zwischen den Reihen der Ulmen auf den grünen Hügeln am See hinzogen.
In den kleinen Anlagen oben rings um die Burgruine warfen die Steineichen ihre eisenschwarzen alten Blätter von den Zweigen ab, die schon neue Knospen trugen. Hier waren Hecken von einer Art immergrünen Buschwerks mit lederartigem Laub. Das junge neue von diesem Frühling glänzte in unnatürlichem Goldgrün.