Gemeinsam mit ihr hatte er sich in den Schutz der Hecke gehockt und seine Jacke vorgehalten, damit sie sich eine Zigarette anzünden könnte. Der Lenzwind blies eisig scharf und rein hier oben, so daß sie in ihren nassen Kleidern leicht erschauerte. Ihre Wangen waren rot und die Sonne glänzte auf dem feuchten, goldenen Haar, das sie sich mit der freien Hand aus den Augen strich.

Dort hinauf wollte er reisen. Morgen schon.

Dort wollte er den Lenz grüßen, den frierenden, nackten, erwartungsvollen Lenz, dessen Blütenaugen ringsum geblendet sind von Nässe, vor Kälte im Winde zittern und dennoch blühen.

Der Lenz und sie — sie waren jetzt eins für ihn. O Gott — sie, die dort oben stand und fror und lachte, in dem unbeständigen Wetter, und alle Blumen in ihrem Schoße sammeln wollte.

„Ach, du meine kleine Jenny, du konntest nicht all die Blumen pflücken, wie du gewollt, deine Träume erblühten nie — und jetzt träume ich sie.

Wenn ich dann lange genug gelebt habe, so daß mich Sehnsucht erfüllt wie einst dich — vielleicht tue ich dann wie du und spreche zu meinem Schicksal, gib mir einige Blüten nur, ich begnüge mich mit weit Geringerem, als ich ersehnte, da ich mein Leben begann. Und dennoch sterbe ich nicht, wie du gestorben bist, denn dir konnte es doch nicht genügen. Ich behalte nur die Erinnerung an dich, küsse deine Perle und dein goldenes Haar und denke, nein, sie konnte nicht leben, wenn sie nicht die Beste sein und das Beste als ihr Recht fordern durfte. Dann sage ich vielleicht, dem Himmel sei Dank, daß sie lieber den Tod wählte, als so weiterzuleben.

Aber heute Nacht gehe ich hinaus auf den Petersplatz und lausche des Springbrunnens ekstatischer Musik, die niemals schweigt und träume meinen eigenen Traum.

Ja, Jenny, denn nun bist du mein Traum, niemals habe ich einen anderen gehabt. —

Ach, Träume, Träume.

Wenn dein Kind gelebt hätte, Jenny, so wäre es nicht geworden, wie du es dir geträumt hattest, als du den Knaben in deinen Armen hieltest und ihm deine Brust reichtest. Gut und schön hätte er werden können — oder schlecht und häßlich — nur wie du ihn erträumtest, so wäre er nicht geworden. —