„Es tut mir gerade gut, zu laufen — bitte geh’, sagt Gunnar immer — ich meine Heggen.“
Sie plauderte ununterbrochen und lugte ab und an zu ihm hinauf, um sich zu überzeugen, daß sie ihn gut unterhalte. Sie gingen den neuen Weg längs des Tiber hinauf; der Strom wälzte sich gelblichgrau zwischen den grünen Hügeln dahin. Kleine perlmuttschimmernde Wölkchen lagen über des Monte Mario dunklem Gebüsch mit graugelben Villen zwischen den immergrünen Bäumen.
Franziska grüßte einen Konstabler und lachte zu Gram hinüber:
„Denken Sie sich, dieser Bursche hat mich heiraten wollen. Ich ging hier viel allein spazieren und dann pflegte ich mit ihm zu plaudern. Da fragte er mich. Der Sohn unseres Tabakhändlers hat übrigens auch um mich angehalten. Jenny schalt mich aus, sie sagte, es sei meine eigene Schuld, und das war es vielleicht auch.“
„Ich finde, Fräulein Winge schilt Sie recht oft. Sie scheint eine strenge Mama zu sein?“
„Nur, wenn ich es verdiene. Hätte es doch schon früher jemand getan,“ — sie seufzte. „Aber daran hat leider niemand gedacht.“
Helge Gram fühlte sich frei und leicht, wie er mit ihr dahinschritt. Etwas unsagbar Weiches lag über ihr, über dem Gang, der Stimme, dem Antlitz unter dem großen rauhen Glockenhut. Es war fast, als könne er Jenny Winge nicht recht leiden, wenn er jetzt an sie dachte — sie hatte so selbstsichere hellgraue Augen — und solch fürchterlichen Appetit. Cesca erzählte eben, daß sie in diesen Tagen fast nichts essen könne.
Und er sagte:
„Fräulein Winge ist gewiß eine junge Dame, die ganz von ihrer Eigenart durchdrungen ist?“
„Ja, weiß Gott, sie hat Charakter. Denken Sie — sie wollte immer schon malen. Mußte aber Lehrerin werden. Oh, wie hat sie gearbeitet! Ja, das sieht man ihr jetzt nicht an. Sie ist so stark, daß sie sich immer sofort wieder aufrichtet. Aber als ich sie zuerst auf der Malschule traf, da lag etwas Hartes und Verschlossenes — etwas Gepanzertes, sagt Gunnar, — über ihr. Sie war erschreckend zurückhaltend. Ich lernte sie gar nicht recht kennen, ehe sie hier herunter kam. Die Mutter ist zum zweiten Male Witwe — sie heißt jetzt Berner — drei kleine Stiefgeschwister sind auch da. Denken Sie nur, sie hatten zwei kleine Zimmer, und Jenny schlief in einer winzigen Mädchenkammer, arbeitete und studierte und bildete sich nebenher aus und half der Mutter mit Geld und auch im Hause; sie hatten kein Mädchen. Freunde oder Bekannte besaß sie nicht, wenn sie zu kämpfen hat, schließt sie sich gleichsam in sich ein, sie will nicht klagen; ist das Glück aber mit ihr, so ist es, als öffne sie die Arme allen, die eine Stütze an ihr suchen.“