„Sehen Sie her, so stehen sie und schlagen aus und frieren den ganzen Winter. Und wenn der Lenz kommt, hat der Winter ihnen doch nichts anhaben können.“

Als sie den Zweig beiseite legte, ergriff er ihn. Er behielt ihn die ganze Zeit in der Hand.

Sie hatten sich Weißwein bestellt. Franziska mischte den ihren mit Wasser und nippte nur. Dann lächelte sie flehend:

„Wollen Sie mir eine Zigarette geben?“

„Mit Vergnügen, — wenn Sie es vertragen?“

„Ach, ich rauche ja jetzt fast gar nicht mehr. Meinetwegen unterläßt es auch Jenny fast ganz. Heute Abend übrigens vermute ich, daß sie sich wieder etwas zu Gemüte führt. Sie ist mit Gunnar zusammen.“

Das Licht des Zündhölzchens beleuchtete Franziskas lächelndes Antlitz.

„Sie dürfen es aber Jenny nicht erzählen, daß ich geraucht habe, hören Sie?“

„Nein, nein.“ Er lachte.

„Ja.“ Sie blies den Rauch gedankenvoll vor sich hin. „Ich wünschte so sehr, daß Jenny und Gunnar sich verheirateten. Ich fürchte aber, sie tun es nicht, — sie sind immer so gute Freunde gewesen. Dann verliebt man sich nicht so leicht ineinander, nicht wahr? Nicht in jemanden, den man von früher her so gut kennt. Sie sind sich im Grunde auch so ähnlich. Es sind aber die Gegensätze, die sich anziehen, sagt man. Ich finde, es ist dumm eingerichtet auf diese Weise — aber es stimmt sicher. Es wäre viel besser, man liebte jemanden, mit dem man geistesverwandt ist. Dann gäbe es die Not und das Leid nicht, die Liebe immer begleiten. Glauben Sie nicht auch? — Denken Sie, Gunnar stammt aus einer armen Häuslerfamilie drunten in Smaalene. Er kam aber nach Kristiania — eine Tante von ihm auf Grünerlökken nahm ihn zu sich, weil es bei ihm zu Hause sehr ärmlich zuging. Damals war er erst neun Jahre alt und mußte schon Wäsche austragen, die Tante hatte nämlich eine Plätterei, und später kam er in die Handwerkslehre. Was er kann und weiß, hat er sich selbst angeeignet. Er muß immer studieren, alles interessiert ihn dermaßen, daß er es bis auf den Grund kennen lernen muß. Jenny sagt, er vergißt ganz das Malen; jetzt hat er so gründlich Italienisch gelernt, daß er alle Bücher lesen kann, auch Verse. Jenny ist ebenso. Sie hat furchtbar viel gelernt, nur weil es sie interessierte. Ich kann aus Büchern niemals etwas lernen — ich bekomme Kopfschmerzen vom Lesen. Aber Jenny und Gunnar erzählen mir. Das behalte ich dann. Sie wissen sicher auch sehr viel. — Können Sie mir nicht ein wenig über ihr Studium erzählen? Das Schönste, das ich kenne, ist, wenn jemand mir erzählt. Das behalte ich gut.