Er war von dieser Umgebung begeistert und beklommen zugleich — voll knabenhafter Spannung. Gleichzeitig begann er darüber nachzudenken, wo ein Ausweg aus diesem Labyrinth zu finden sei und wie er zu seinem Hotel zurückgelangen sollte, das weit fort am anderen Ende der Welt lag. Er mußte sich wohl eine Droschke leisten.
So schritt er denn eine neue, enge, ganz menschenleere Gasse hinab. Zwischen den steilaufragenden Häusern mit den schwarzen Fensterhöhlen, die ohne Sims aus dem Mauerwerk starrten, zog sich ein Streifen Himmels hin, klarblau und dunkelleuchtend; unten auf dem holprigen Steinpflaster wirbelte ein leichter Windstoß Staub und Strohhalme und Papierfetzen vor sich her.
Zwei Frauen überholten ihn. Als er sie im Schein einer Laterne betrachten konnte, durchfuhr es ihn: das waren die, die er heute Nachmittag auf dem Corso bemerkt und für Norwegerinnen gehalten hatte. Das helle Pelzwerk der größeren erkannte er sofort wieder.
Plötzlich kam ihm ein verrückter Gedanke — er wollte ein Abenteuer versuchen, sie nach dem Wege fragen, um zu hören, ob es Norwegerinnen seien oder wenigstens Skandinavierinnen. Ihm klopfte aber doch das Herz ein wenig, als er sich anschickte, ihnen nachzufolgen. Ausländerinnen waren es sicher.
Die jungen Mädchen blieben weiter unten vor einem verschlossenen Laden stehen, setzten aber gleich darauf ihren Weg fort. Helge überlegte: sollte er „Please“ oder „Bitte“ oder „Scusi“ sagen oder versuchsweise mit einem norwegischen „Verzeihung“ herausplatzen? Wie lustig, wenn es wirklich Norwegerinnen waren.
Die Mädchen bogen um die Ecke. Helge war ihnen dicht auf den Fersen und auf dem Sprunge, sie anzureden. Da wandte sich die kleinere halb um und sagte etwas in italienischer Sprache, leise und empört.
Helge war herb enttäuscht. Er wollte eben „Scusi“ sagen und verschwinden, als die Große auf Norwegisch zur Freundin sagte: „Nicht doch, Cesca, nichts sagen — es ist viel klüger, zu tun, als merke man nichts.“
„Ich ertrage aber dieses verdammte Italienerpack nicht, das nie ein Frauenzimmer in Frieden lassen kann,“ erklärte die andere.
„Ich bitte um Entschuldigung“, sagte Helge. Die Mädchen blieben stehen und wandten sich brüsk um.
„Sie müssen wirklich entschuldigen.“ Helge stammelte und errötete, ärgerte sich darüber und erglühte nur tiefer in der Dunkelheit. „Ich bin nämlich heute aus Florenz gekommen, und jetzt habe ich mich in diesen Winkelgassen vollständig verloren. — Nun glaubte ich, die Damen seien Norwegerinnen — oder jedenfalls aus Skandinavien — und ich komme so schlecht mit der italienischen Sprache zurecht — und da kam mir die Idee —. Vielleicht haben Sie die Liebenswürdigkeit, mir zu sagen, wo ich eine Straßenbahn finde? Mein Name ist Kandidat Gram“. Er lüftete wieder den Hut.