Von der Natur der Kakomonade.

Was ist die Kakomonade? Wo kömmt die Kakomonade her? Zwo große, und erhabene Fragen! Lange schon haben trefliche Gelehrte die Tiefsinnigkeit, und den Nutzen derselben gefühlet. Sie haben sich bestrebet, sie aufzulösen. Vielleicht krönte ihre Bemühungen noch kein sehr glänzender Erfolg; allein wenigstens führten sie doch uns auf diese Strasse. Nur an uns liegt es nun, auf ihren Pfaden in dem Lande, das sie durchliefen, fortzuwandeln, und, wenn wir können, darinnen weiter zu gehen, als sie.

Erste Beobachtungen haben sie gelehrt, daß die Kakomonade ein Gift[4)] sey. Uiber den Sinn dieses Wortes in dieser Anwendung ist man nicht ganz einig. Allein, wo man keine deutlichen Begriffe haben kann, da ists bei allen Arten Wissenschaften viel, daß man sich einen Ausdruck auffinde, der nichts sagt. Man hat weit weniger Mühe, ihn auf alle möglichen Sisteme passend zu

machen, und daher ist die Kakomonade ein Gift.

Noch mehr: dieses Gift ist phlogistisch, korrosiv, gerinnend, und fix[5)]. Phlogistisch, denn es verursacht Entzündungen. Als korrosiv greift es die Haut an, frißt sie auf, und trennt ihren Zusammenhang. Als gerinnend, stillt es den Lauf der Feuchtigkeiten, welche die Natur zu freiem Umlaufe bestimmet hatte. Endlich, weil es fix ist, läßt, es sich so schwer vertreiben. Und dieß ist die ganze Theorie von der Kakomonade, von einem ihrer besten Historiker entwickelt. Sie ist, wie man sieht, deutlich, bündig, und faßlich.

Die Quacksalber mischten sich manche mal ins Spiel, und gaben eine andre an.

So erschien Anno 1727 ein sehr berühmter zu Paris. Dieser behauptete, alle menschlichen Schwachheiten, und die, mit denen wirs zu thun haben, wie alle andere, würden durch kleine Thierchen erzeugt, die sich ins Blut eindrängen. Seinem Sisteme zufolge war das, was wir Arzneimittel nennen, ein Kompositum von andern kleinen Thierchen, als unversöhnlichen Feinden der ersten. Diese jagten ihre Gegner tapfer fort.

So war der Körper eines Kranken ein Schlachtfeld, wo Wunder der Tapferkeit geschahen. Das Fieber führte darauf seine leichten Geschwader an; die Kakomonade ihre gerinnende Infanterie. Bald sah man die Fakultät heranrücken in schwerer Rüstung, mit Bataillonen von Quecksilber, und Chinarinde. Sie ließ die verschiedenen Korps dieser fürchterlichen Miliz allmälig aufmarschiren. Man schlug sich lange mit Lebhaftigkeit

herum, bis die Thierchen der Chinarinde über die des Fiebers die Oberhand erhielten, oder bis die korrosiven Würmchen durch die metallischen Insekten vertrieben wurden, wenn anders nicht, welches zum öftersten geschah, sich das Schlachtfeld selbst, unter dem Drucke von so heftigen Gewaltthätigkeiten erliegend, in die Erde versenkte, welche Uiberwinder und Uiberwundene sammt ihnen verschlang.

Hatte diese Idee keine Wahrheit zum Grunde, so war sie wenigstens unterhaltlich. Aber die Steifheit der regierenden Doktoren hat sie verbannt. Entrüstet, daß sie sich durch sie dahin gebracht sahen, nichts weiter, als die Obersten über ein Regiment Sensblätter und Rhabarbar zu sein, machten sie allen diesen kleinen Armeen, die man ihnen anzuführen gab, den Garaus. Sie wollten lieber die Oberhäupter einiger blinden Körperchen bleiben, als zahlreiche und