Unterm Jungfern-Unterröckchen kann
Eben so viel Schönheit wohnen,
Als so mancher gute Ehemann
Findet unterm Hemde bei Madonnen.
Aber gestehn Sie es nur ein, daß es, wenigstens in unsern Tagen, nicht die Schönheit allein ist, die da allenthalben so gleich ausgetheilt wohnt; und daß die Ungemächlichkeiten, die sie furchtbar machen, mit nicht weniger Gleichheit ausgetheilet sind.
Doch, das befremdet mich nicht, sondern, worüber ich mich wundere, was ich nicht begreife, ist die Sicherheit, mit welcher wir mitten unter so vielen Gefahren leben. Offenbar sehn wir die Kakomonade mit den nämlichen Augen an, wie die angesteckten Dünste zu Paris, die man daüberall einathmet, und an die man sich, trotz ihrer Anpestung, gewöhnet: allein zwischen ihnen beiden herrscht ein himmelweiter Unterschied.
Wenigstens trägt die Polizei doch einige Sorge, um das letztere zu mindern: Man
kehrt die Gassen: man schafft den Mist weg; die Arbeit eines Tages macht das verschwinden, was die Verzehrung eines Tages von Unreinigkeiten hinterlassen hat. Aber ists mit dem andern Gegenstande auch so? Leider! nein. In Rücksicht desselben trägt man entweder gar keine Sorge, oder die, die man dafür hat, ist so schwach, daß sie, anstatt dem Uibel abzuhelfen, nicht einmal im Stande ist, seinen weitern Umsichgriffen Einhalt zu thun.
Unterdessen ist es hohe Zeit, daß die Regierungen aus der Lethargie, worinn sie über diesen Artikel zu liegen scheinen, erwachen. Mit welcher Ruhe sehn sie nicht das Uibel sich reißend um sie her verbreiten! Die Bevölkerung, von dieser Pest bis auf die Wurzeln angegriffen, verwelkt und vertrocknet. Man kann es merken, wie das menschliche Geschlecht an Anzahl und Stärke abnimmt, Uiberall findet man unzählige
Menschen, mit denen es soweit kam, daß sie die traurigen Gedenkzeichen von den Graden ihrer Prüfung, die sie seit ihrer Kindheit gleich den Metallen durchwandelten, welche die Chemie, so bald sie aus dem Schmelztigel kommen, durch gewaltsame Operazionen entnaturt, ihr ganzes Leben hindurch behalten.