Schuldigkeit, vor der Herrschaft zu erscheinen, oder gar die Mittellosigkeit, wehrt es ihnen, auf ihre Heilung zu denken. Sie müssen ihrem Herrn überall, wo es seine Kaprize immer hin will, folgen, und man stellt sich auf seinen Wink, es mag um den Körper stehn, wie es wolle. So ist indessen der Trupp beschaffen, mit welchem der Reiche sich brüstet, auf seiner Herrschaft zu erscheinen, wenn er sich würdigt, sie mit seiner Gegenwart zu beehren.
Ist er nun einmal auf dem Dorfe, so sind seine Bedienten, in der Kleidung oft besser bestellt, als er, Leute von Wichtigkeit. Ihre Borden werden nun ein Ehrenzeichen. Sie behaupten unter diesen Leuten ohne Widerspruch den vornehmsten Rang, und ziehen alle Augen auf sich. Das Prächtige ihres Anzugs, ihr Bau, der Vorrang, den sie über die Landleute affektiren, unterwirft ihnen sehr bald die Mädchen
auf dem Lande, die auf alles aufmerksam sind.
Und dann wehe der Tugend, die sich mit einem Bißchen Reiz, und Anmuth waffnet; wehe der Unschuld, welche die Jugend schmücket, und welche die Grazien dieses Alters vielmehr schwächen, als beschützen! Wie bald ist sie verführt, und vergiftet! Die ihrer genoß, — nichts bleibt der Unglücklichen, außer ein unaustilgbarer Jammer, und schändliche Schmerzen. Ihr Ende ist — sie bringt, oft ohne es selbst zu wissen, dem Hymen Blumen zu, die auf ihrem Erdreiche nicht wachsen sollten, und die die Liebe auf ewig verbannen, und es ist noch ein Glück; wenn sie der Versuchung nicht nachgiebt, in die Stadt zu ziehn, um mit den Reizen, die sie zu Grunde gerichtet haben, ein Gewerbe zu treiben, und die Folgen ihrer Schwachheit mit dem Publikum zu theilen!
So arbeiten denn ungeheure Armeen, unter der Uniforme der Sklaverei, daran, in den Schlund der Hauptstädte das Gift, das darinnen gähret, zurück zu gießen, und in diesem Geschäfte muß man ihnen noch eine andere Klasse von Sklaven beigesellen, die an sich selbst edler, obgleich in der Sache selbst sehr wenig in Betrachtung gezogen sind; jene Automaten muß man ihnen zugesellen, die mit zu dem Machwerk eines so genannten Regimentes gehören, und derer Ressorts, wenn sie einmal zugenommen haben, ihnen eine ziemliche Geschicklichkeit geben, eine gewisse Anzahl Bewegungen zu machen, die unter dem Namen Exercizien bekannt sind.
Diese, begabt mit der ausschließenden Befugniß, eine Flinte, oder eine Bajonette zu führen, haben noch in einem höheren Grade jene, überall die traurigen Geschenke, von denen wir sprechen, anzunehmen,
und mitzutheilen Durch ihre Mitwirkung dringet sich die Kakomonade in die entlegensten Provinzen ein. Sie eröffnen ihr einen Weg in Gegenden, wohin selbst das Gold kaum einen Eingang findet.
Offenbar sind dieses Laster, die sie gegen das menschliche Geschlecht begehn; doch läßt es sich schwer entscheiden, ob sie dabei mehr strafbar, als unglücklich sind. Gewiß ists, daß der Ehestand für den Soldaten sich nicht schicke. Noch gewisser, daß der Zölibat ihm die Ausschweifung nothwendig macht. Nicht weniger gewiß ists, daß diese Ausschweifung für ihn, und für alle Länder, die er durchzieht, die schrecklichsten Folgen habe. Um sich davon zu überzeugen, darf man nur den Zustand der Plätze, wo Krieg ist, und ihre Gegenden umher betrachten.
Täglich schleicht sich da, trotz aller Wachen, die ihn beobachten, ein verkappter Feind hinein. Er herrscht da mit größerer Macht, als die Statthalter des Königs. Die Wachsamkeit derselben, ihn hindanzuhalten, ist unnütz. Er ist sogar mit den Offizieren, die man dahin beordern könnte, verstanden. Uiber dieß, wie wollte man junge Leute hindern, sich einem Gelüste zu ergeben, das der Müssigang, aus dem sie sich eine Ehre machen, bei ihnen genährt hat? Wie wollte man Begierden unterdrücken, die ein, lange Zeit, bezähmtes Temperament, oder die Gewohnheit der Ausschweifung wüthig gemacht hat? Weder die Bestrafung so einer Unglücklichen, die sie anpestet, noch die langwierigen Peinen, womit sie die Schwachheit eines Augenblicks abbüssen müssen, werden sie je vor dem Rückfalle bewahren. Ein Soldat glaubt, er sei da, um des Gegenwärtigen zu genießen: seine Bestimmung ist, den Gefahren Trotz zu bieten, und er rechnet
sichs zum Verdienste an, ihnen in jeder Gestalt zu trotzen.