Arbeit vermehret und verschlimmert die Symptomen derselben. Die Schwachheit, die die Einen mit sich bringen, macht, daß die Früchte der andern nicht hinreichen werden. Die Bedürfnisse vervielfältigen sich nach dem Maaße, nach welchem die Kräfte sich verlieren; endlich, wenn die armselige Familie eine Zeitlang in Elend und Verzweiflung geschmachtet hat, erwartet sie in irgend einem Siechenhause ihre Vernichtung.
Nicht ein Zug ist hier übertrieben, sondern es ist dieß ein sehr wahres, ein sehr lebhaftes Gemälde von dem, was sich alle Tage um uns herum zuträgt. Man findet keinen Dorfpriester, keinen Landjunker in den Provinzen, der nicht die Wahrheit davon erkennte. Dieß ist die Gestalt der ersten Quelle der Entvölkerung der Dörfer, welche die Krankheit, von der hier die Rede ist, verursacht.
Doch, es sind es nicht die Kinder in der Wiege allein, durch die sie sich da einschleicht. Auch jene parfümirten Puppen, jene fünf und zwanzigjährigen Greise, welche ein grausames Loos bei Zeiten reich, und zu müssigen Herren gemacht hat, müssen ihr mittelbar zu ihren Absichten dienen. Sie führen öfters die Langeweile, die sie aufzehrt, die Eckelhaftigkeit, die ihnen das Herz abdrückt, auf ihren Landgütern mit sich spazieren. Aus Furcht, sie möchten in diesem neuen Aufenthalte sich selbst gelassen sein, sind sie sehr besorgt, all den Prunk, und Firlefanz des Luxus, der sie in den Städten, aus denen sie sich flüchten, tödtet, mit sich dahin nachzuschleppen.
Ein zahlreicher Hofstaat, eine prächtige Equipage ist ihr Geleite bis in die Mitte der ländlichen Einfalt. Es gefällt ihnen, ihre groben, und verbordirten Bedienten, die sie schlecht bedienen, mitten unter demüthigen,
und mit Kütteln angethanen Landleuten, die sich nur von ferne sie anzublicken, getrauen, glänzen zu sehn. Es ist ihnen lieb, in den Vorzimmern ihrer Lustschlösser mehr unnütze Thunichtse zu zählen, als sie arbeitsame Unterthanen auf dem Felde haben.
Dieses lächerliche Großthun, dieser unerträgliche Stolz wäre doch noch ein leidliches Uibel, wenn es nichts weiter schadete, als die Kleingeistigteit des Ortsherrn zu nähren. Aber was ihn erst wirklich schrecklich macht, ist dieß, daß er die Zügellosigkeit der Bedienten begünstigt, und die Folgen davon ins Unendliche vermehret. Die Kakomonade macht sie zu neuen Prometheussen, die sie mit ihrer Fackel bewaffnet; auf ihren Befehl ziehn sie aus, die Bildsäulen, womit das Land erfüllet ist, mit einer verderblichen Flamme zu beleben, die sie nicht von den Strahlen der Sonne entwendet haben.
Die drei Viertheile der Menschen, die sich bei uns zur Dienstbarkeit verschreiben, sind durch ihren Stand Müssiggänger, und aus Noth Hagestolze. Eine vollkommene Unabhänglichkeit ist das erste Bedingniß, welches der Luxus fordert, um sie zu den Würden der Livree zuzulassen, und er macht diese Forderung nur, um sie sich selbst zum Opfer zu bringen. Er will die Herrschaft über seine Unterthanen mit Niemandem theilen. Er macht Ansprüche über Sklaven zu gebieten, die außer ihm keinen Herrn haben sollen. Er meint sich hierdurch Unruhen zu ersparen. Er bildet sich ein, sich dadurch eines hurtigern Dienstes, einer genaueren Treue zu versichern.
Ich weis nicht, ob er es damit wohl macht; was ich gewiß weis, ist, daß dieser Haufen arbeitloser, einsamer Bedienten, überall, wo er sie nur zu finden glaubt, Gesellschaften aufsucht. Ihr Temperament treibt
sie zu lebhaften Vergnügungen, und ihr Anzug bringt sie in Gesellschaften, wo ihnen diese leicht gemacht werden. Von dieser Seite der Wonnen des Ehestandes beraubt, von der andern zur Ausübung seiner Geschäffte eingeladen, überlassen sie sich einem Umgange, der ihnen seine Vergnügungen gewährt, ohne seine Beschwerden zu haben. In diesem schändlichen Mißbrauche der Kräfte der Natur folgen sie den Absichten, und oft dem Beispiele ihrer Herren.
Ihr gegenwärtiges Bedürfnis macht sie taub für die Folgen der Zukunft. Man weis, was man, von der Gattung Weibsleute, auf die sie sich beschränken müssen, zu erwarten hat, und in kurzer Seit erlangen sie die Erfahrung davon. Dadurch werden sie kecker, so, wie ein Mensch, dessen Kleid schon einmal durchnäßt ist, sich desto weniger gegen den Regen sperret. Die Kraft ihrer Jugend erhält sie eine Zeitlang. Die