Sehen wir uns ja vor, die scheinbare Grobheit der Alten, und selbst der Heiden, zu verachten. Wir haben einen heiligern Gottesdienst;
aber unsre Sitten sind darum nicht reiner. Lassen wir uns ja nicht den dummen Stolz einkommen, zu glauben, daß es die Erhabenheit unserer Glaubenslehren sei, die der Freiheit unserer Gespräche einen Zaum anlegt. Man müßte erstaunen, wenn die Moral Stärke genug hätte, die Sprache zu reinigen, und dennoch nichts über die Sitten vermöchte; daß es der Religion gelungen habe, den wahren Namen der Heldinn des Herrn Panglos zu verbannen, daß sie aber ihrem Laufe kein Hinderniß setzen konnte.
Weit gefehlt, daß die Sittsamkeit der kauderwälschen Europäer die Frucht einer ächten Sittsamkeit wäre,
so ist sie vielmehr der Beweis einer tiefen Verderbtheit. Man schont der Ohren, weil man sonst nichts mehr zu schonen übrig hat. Die heiligen Väter, welche die Gottheit, deren Geschichte wir bekannt machen, nicht zu fürchten gehabt hätten, würden sich erlaubet haben, von ihr ohne Umschweife, und ohne Bedenklichkeiten zu sprechen. Unsre Leute von Welt, die fast unaufhörlich unter ihrem Zepter stehn, zittern, wenn sie nur ihren Namen hören; So, wie die Einwohner von Siam es nicht wagen, den Namen des Despoten über die Zunge zu lassen, der sie mit der unbeschränktesten Gewalt beherrschet.
Doch muß man, wenn man für sie schreibt, auf diese alberne Delikatesse Rücksicht nehmen. Man muß einen Gegenstand, vor dessen nackten Anblicke sie sich scheuen, mit einem durchsichtigen Schleier überdecken. Man muß sich zufrieden geben, die furchtbare Macht, deren Thaten man lesen wird, unter einem allegorischen Namen aufzuführen. Diese Nothwendigkeit wars, die den Herrn Doktor veranlaßte, den geheimnißreichen Ausdruck: Kakomonade zu ersinnen.
Man erkennt daran den Eifer des Lehrmeisters Kandidens für die Lehre des größten Metaphysikers von Deutschland. Das blosse Wort Monade,
erinnert uns auf den Ruhm seines Erfinders zurück, und, wenn der selige Liebhaber von Fräulein Paquette auf den Gedanken fiel, es mit dem Beiworte Kako, das, wie man sieht, von dem Griechischen κακος herkömmt, und soviel, als böse, unbequem heißt, zu verbinden; so ist dieß ein Merkmaal von dem Scharfsinne seines Geistes, und von der Richtigkeit seiner Urtheilskraft. In der That ist auch von allen Leibnitzischen Monaden keine lästiger, als diese, und das Beiwort ist also mit ganz vorzüglicher Richtigkeit ausgewählt.
NB. NB. Bei dieser zweiten Ausgabe hat man dem Werke einen
Brief beigerückt, der sich auch unter den Schriften des Herrn Doktors vorgefunden hat, und über den nämlichen Gegenstand lautet. Er ist ebenfalls von eben den Absichten der Menschlichkeit, und Wohlthätigkeit ganz voll, und wir glaubten daher, ihn dem Publikum nicht vorenthalten zu dürfen.