Sie leben in einem glücklicheren Erdstriche, und dennoch haben Sie eben diese Vortheile nicht. In Paris, und in dessen Umkreise nehmen die Steine mit jedem Tage
ab. Die Menge, welche man in den Palästen dieser Hauptstadt täglich verbraucht, macht die ganze Art dieser Naturprodukte zu nichte. Brächte man ihrer nicht von Zeit zu Zeit aus dem Schatze der Provinzen einige dahin, so ist zu vermuthen, daß sich diese Stadt derselben bald ganz beraubt sehen würde.
Sie, mein Fräulein, halten sich weislich an die allgemeinen, und unausweichlichen Gesetze der Natur. Wie viele Andre sind eigensinnig genug, hartnäckig gegen ihre Schwäche zu kämpfen! Sie haben keine andere Sorge, als wie Sie sich für dieselbe entschädigen können. Gerne lassen Sie den Männern den Stein nach, wenn Sie Ihnen diesen nur mit recht viel Gold ersetzen.
Auch wissen Sie sich hierbey so zu nehmen, daß Sie nie was verlieren. Man weis, welche Kunst Sie gebrauchen, die Opfer,
die man Ihnen macht, miteinander zu vereinbaren. Niemanden ists unbekannt, mit welcher Einsicht Sie die verschiedenen Gattungen derselben zusammen auswählen. Sie ahmen jenen geschickten Wirthen nach, die aus mehrern mittelmäßigen Weinen ein vortrefliches Getränke bereiten.
Sie mäßigen die Schwachheit eines Parisers durch den Trotz eines Provenzalen, und die Schaalheit eines Einwohners von Marais durch den Saft eines Burgunders. Sie verbinden den brausenden Schaum des Champagners mit Amerika’s Wärme, und die Dumpfheit des Deutschen mit der Feinheit des Italiäners. Da Sie so die Fehler jeder Nazion durch die Zumischung der entgegengesetzten Tugenden verbessern, da Sie die Ungeschmacktheit der Einen durch das Beißende der Andern lindern, so sind Sie so glücklich, sich eine Reihe höchst angenehmer Lebenstage, und eine ununterbrochene
Fortdauer von Vergnügungen zu verschaffen.
Ihre Bescheidenheit will der Nachwelt die Denkmaale Ihrer Triumphe gerne schenken; jedoch, müßte man die Anzahl all derer, die Sie ihr noch hätten hinterlassen können in die Rechnung bringen; so glaube ich, alle Phrynen des Alterthtums würden sich nicht beygehen lassen, Ihnen das Geringste streitig zu machen; so viele Gründe also berechtigen Sie, sich über die alten und neuen Sokraten erhaben zu glauben!
Indessen muß man gestehen, dieser so große Ruhm wird von einigen Ungemachen etwas aufgewogen, und verliert von seinem Glanze. Mit Vergnügen sehen Sie die Ankunft der Schätze, die der Geiz den Bergen der neuen Welt entwühlt, und welche die Thorheit auf den Sopha’s von Europa zerstreuet, bey sich. Eine Danae, öffnen Sie
den Schooß diesem kostbaren Regen, dessen Werth und Nutzen Ihnen so wohlbekannt ist.