Unglücklicherweise macht er öfters in der alten Welt gewisse Vollkommenheiten aufzusprossen, welche die Natur bloß für die neue bestimmet hatte. Die kostbare Pflanze derselben brachte uns 1493. der Genueser Christoph Kolombo mit dem Gold aus San Domingo, und, wie wir wohl wissen, seit dieser Zeit haben sie sich mit einer verwundernswürdigen Fruchtbarkeit ausgebreitet.

Die jüngere von zwoen Schwestern, die beynahe einerley Namen führen, scheint es am weitesten gebracht zu haben. Seit fast zweyhundert Jahren arbeitet sie ohne Unterlaß an der Ausbreitung ihres Reiches; und daß ihr alle Unternehmungen glückten, hat sie vorzüglich ihrer verschwenderischen

Freygebigkeit zu danken. Gleich den staatsklugen Eroberern gewann sie eine Menge Landes, weil sie mit ihren Geschenken nicht haushälterisch war.

Nicht, als ob man im Grunde so erpicht darauf wäre. Wenige Personen sind aufgelegt, sie freywillig sich zu wünschen; allein sie verbindet, wenn sie sie anbeut, damit einen so verführerischen Reiz, daß die mißtrauischsten Herzen manchmal genug zu thun haben, sich dagegen zu verwahren. Man empfängt sie, ohne es fast nur gewahr zu werden; und was dabei das verdrießlichste ist, wenn man sich damit beschwert fühlt, so ist man nicht immer im Stande, sie sich vom Halse zu schaffen.

Man bringt sie nicht einmal los, wenn man ihren Kreislauf befördert. Sie haben die Eigenschaft, sich zu vervielfältigen, ohne die Quelle, aus der sie entsprungen sind, zu

schwächen; gerade, wie eine brennende Wachsterze tausend andere anzuzünden dienen kann, ohne im mindesten von ihrem Licht, und dem Feuer, das sie verzehrt, zu verlieren.

Gewiß, mein Fräulein, ein schreckliches Mißgeschick! Sie wünschten wohl, man möchte ihm abhelfen können. Auch ich wünsch es von ganzem Herzen. Suchen wir miteinander die Mittel auf. Die Ehre davon will ich Ihnen gerne lassen.

Die griechischen Lustmädchen zeichneten sich, die Eine durch den Zauber ihres Verstandes, die andre durch die Anmuth ihres Tanzes, und diese durch ihre Schönheit aus. Was Sie betrift, so wünsche ich, daß Sie Ihren Namen durch der Menschheit geleistete Dienste verewigen. Ihre Gefälligkeit gegen sie, kennt man bereits zur Gnüge. Man wird sich nicht befremden, daß Sie, zum Tempel

des Ruhmes zu kommen, diesen Weg gewählet haben.

Wie viel man nicht von dieser Menschheit redet! Unsre philosophischen Tage geben ihr ein so herrliches Licht! Sie sehen sie von Stockholm bis Lissabon, von den Gränzen des Mogol bis London sich mit so großem Glanz entwickeln. Es sind nur eben sieben volle Jahre, während deren wir uns mit aller nur möglichen Artigkeit, und Leutseligleit herumgeschlagen haben; und alle Menschen, welche diese ganze Zeit hindurch in den Land- und Seegefechten verstümmelt, erschossen, gebraten, oder zermalmet worden, beliefen sich doch nicht höher, als auf eine Million.